»Was heißt da handgreiflich – Mutterchen – zwei neunzehnjährige Kerle, denen beiden der Jähzorn im Nacken sitzt. Am andern Tag war das Duell – ich habe für mein Leben den scheußlichen Schmiß weg, der mir noch genug Kopfschmerzen machen wird, und dem Leutnant von Senz habe ich die Nase gespalten – – Tante Adelgunde hat ganz recht: ›Schlachtergesellen!‹«
»Du böser Wilder!« Frau Franziska strich sanft über die rote Narbe; »du wirst dich nun umlegen und ganz ruhig schlafen viele Stunden lang, damit das Fieber nicht wiederkommt.«
»I, das ist ja schon da, Mütterchen,« lächelte Bertold matt, »und da schadet es nichts, wenn ich dir noch rasch sage, daß die schwarze Gretel mir den zerschlagenen, geschundenen Pudel samt seinen gebrochenen Rippen schenkte, weil sie meinte, ich hätte ihr und ihm das Leben gerettet – – –«
»Schlaf, mein Junge!«
Frau Franziska erhob sich und verließ sacht das Zimmer. Vor der Tür lag Fidelio. Trotz seiner Schmerzen schleppte sich der kluge, häßliche Hund immer wieder in die Nähe Bertolds, und Franziska ließ den Pudel gewähren, dessen Tage trotz guter Pflege gezählt waren – man hatte dem armen Tier gar so bös mitgespielt.
Sie dachte an die kleine filia hospitalis, die ihre Nelken und Geranienstöcke am Fenster plünderte, damals als der Bertold in die Klinik kam – die Mutter mußte ihm jede Blüte mitgeben. So ein gutes, kleines, dankbares Ding! Und aus dem mageren, verwachsenen Persönchen, das im Theater in dem Garderoberaum mithalf, weil es zu schwerer Arbeit zu schwach war, hatten die Schwarzhausener ein »üppiges, tolles, schwarzes Theaterfräulein« herausphantasiert!
Gottlob, daß es Phantasie war. Sie tat ja weh, doch das würde vorübergehen – ihr Junge gehörte noch ihr, der Mutter, und das war für das Mutterherz die Hauptsache. –
Der Großvater sah Bertold erst, als er sich schon wieder zur Abreise nach der »Universität« rüstete. Diesmal setzte er sich selbst die Gänsefüßchen in Gedanken vor das Wort. Denn er mußte erst einmal drei Monate auf eine andere Art studieren, aber auch sein Mütterchen vermied das Wort »Festung« und sprach immer nur von der Universität Bonn.
Nun hatte Bertold sich noch durch Teichmann in einer kleinen Privatangelegenheit beim alten Herrn melden lassen und das Gespräch zwischen Großvater und Enkel war sonderbar genug.
»Ich hatte dir deinen Wechsel schon durch deine Mutter zustellen lassen« – empfing Eik senior den Enkel.