»Also wieder einmal Schwarzhausener Geträtsch?«

»Ja Großvater.«

Laut und bitter lachte der Alte auf. –

»Bertold, dein Weg wird wahrscheinlich noch rauher, als der meine es war. Verstehst du das, mein Junge?« Es war das erste Mal, daß eine so gütige Bezeichnung erfolgte und Bertold empfand es mit dankbarer Freude. »Du hast das unglückliche Temperament der Eiks, daneben aber noch einen ganz unvernünftigen Idealismus, der dir – hm – wohl von anderer Seite vererbt ist.«

Herr von Eik senior schritt jetzt im Zimmer auf und ab, man sah, daß ihm die Trennung vom Enkel zu schaffen machte.

»Sich für ein unbekanntes, häßliches Weib aus dem Volke zersäbeln und außerdem drei Monate aufbrummen zu lassen, ist der Gipfel der Dummheit; auch für das Hundewrack, das du mit herschlepptest, fehlt mir das Verständnis, obwohl wir Eiks alle Ursache haben, die stumme Kreatur der schwatzenden, hechelnden, verleumderischen, hetzenden vorzuziehen. Deinen Begräbnisplatz für das Vieh sollst du haben, komm mit.«

Bald darauf standen Großvater und Enkel vor dem Gesellschaftstempelchen im Park, und Bertold sah sich nach einem geeigneten Platze um. Das tote Tier lag, in ein Leinentuch geschlagen, unter der Tannengruppe; Bertold hatte Schaufel, Hacke und Rechen mitgenommen.

»Hier!« rief der Großvater rasch und lebhaft und bezeichnete seinem Enkel die Stelle, wo dieser graben sollte. Bertold war es froh ums Herz, wie seit langer Zeit nicht. Er fühlte zum erstenmal bewußt, daß er dem alten Eik verwandt war und die Zukunft, in der er mit dem Großvater gemeinsam arbeiten sollte, sah ihn nicht mehr so fremd und kalt an. Mit jedem Spatenstich, den er tat, wurde es ihm freier ums Herz; es war ihm, als seien in dem verhüllten Bündel alle seine und Mütterchens Sorgen verborgen, die er nun für immer verscharren wollte.

Vielleicht bewegten den alten Eik ähnliche Gedanken, er erschien dem Enkel aufgeräumt und munter wie nie zuvor. Mit Interesse verfolgte er das Ausschaufeln der Grube, half dann dem Enkel die Last hineinzusenken und setzte sich beschaulich auf die Bank des Tempelchens. Als Bertold die Öffnung zuschaufelte, fiel ihm etwas auf.

»Großvater«, rief er lebhaft, »hier daneben ist noch ein Grab, – da liegt gewiß schon ein vierbeiniger Eichenborner Hausgenosse.«