Schon bei dem ersten Vers, lange ehe die Strophe zu Ende ging, hatte der Lehrer die Geige sinken lassen, – denn eine helle, glockenreine Knabenstimme führte den Chor fest und sicher bis zu Ende.

»Tausend Wetter, mein lieber Junge,« rief Rektor Dillen in ehrlicher Begeisterung, aber dann mußte er sich umständlich die Nase schneuzen, weil die Bewegung ihn übermannte. Zwei wunderschöne tiefe Kinderaugen schauten ihn an, wie früher die stahlblauen Augen der Franziska, und dieselbe klare Kinderstimme, die einst das Schulstübchen mit Wohllaut erfüllte, rief ihm zu: »Ich soll Sie von der Mutter grüßen, und sie würde ihren verehrten Lehrer bald aufsuchen.«

»Schön, schön, mein Junge.« Wieder schluckte er heftig. »Und nun sage mir noch, wie du heißt und wie alt du bist.«

»Ich bin neun Jahre alt, und ich heiße: Bertold Eik von Eichen.«

Es ging ein Summen und Tuscheln durch die Kinderschar.

»Is ja gar nich wahr.«

»Malcroix, – Malcroix –«

»Wie heißt du, Kleiner? Besinne dich einmal!«

»Bertold Eik von Eichen. Großvater hat es gesagt, ich sollte so antworten.«

»Ahhh! So so – gut und schön! Setz’ dich! Oder nein, lies mir gleich einmal ein Stückchen aus dem Kinderfreund. Seite einhundertachtundsechzig oben, damit ich sehe, was du kannst. Liselotte Windemuth, ich glaube gar, du willst schon frühstücken, das ist sehr ungehörig.«