»Siehst du, er weiß es,« triumphierte Elfi, »woher weiß er es?«
»Das war immer so,« murmelte der große Mann, dann legte er mit raschem Griff die Geige in den Kasten, hob die federleichte Elfi hoch, was die Kleine zu jubelndem Lachen veranlaßte, und drückte sie stürmisch an seine Brust.
»Du hast mich wohl lieb?« fragte sie erstaunt-zutraulich, und ihre Ärmchen legten sich weich und herzlich um seinen Hals.
Dann zog sie ein verknülltes, nasses Taschentüchlein, mit dem sie vorhin die Puppe abgewaschen, aus dem perlengestickten Margaretentäschchen und wischte damit dem fremden Mann über das Gesicht.
Denn er hatte Wasser in den Augen und immer mehr Tränen kamen noch, trotzdem ihm die Elfi so mütterlich-zärtlich zusprach, genau so, wie es ihre eigene Mutti bei ihr selbst tat: »Nicht weinen, – nicht doch – es ist ja gar kein Grund da!«
Plötzlich lachte er herzlich und glücklich, was sehr hübsch klang, und sie durfte mit ihren kleinen Fingerchen die Saiten der Geige zupfen und nach Herzenslust mit ihrem neuen Freunde plaudern. Sie erzählte von Mutti und vom Windemuthhaus und dem großen Garten, und daß Großvater und Großmutter und auch der Papa im Himmel seien und daß Mutti oft weine.
Unglaublich rasch verflog die Zeit, denn der ernste Mann und das holde Kind hatten sich gar so viel zu erzählen, und als endlich Elfi mit dem Puppenwagen heimfuhr, lag zutiefst auf seinem Boden ein graues, närrisches Bündel und Klein-Elfi und Bertold von Eik hatten ein wundersüßes, großes Geheimnis miteinander.
Frau Liselotte schritt in ihrem Garten auf und ab; er war so dicht verwachsen, daß er sie vor jedem Späherauge schützte, und das war gut und verständig von seinen dichten Zweigen. Denn in den lieben Garten des Vaterhauses trug Frau Liselotte viel heimlichen Kummer; all die vertrauten Stellen darin kannten ihr Leid, wußten, wie schwer sie an der Ehe mit Hans von Windemuth getragen hatte, und wie sie geistig beinahe verhungert war an seiner Seite. Sie war auf Wunsch des Arztes nach dem plötzlichen Tode des Gatten auf Reisen gegangen, aber Mutterliebe trieb sie wieder, seßhaft zu werden, weil Klein-Elfi nicht die Unruhe vertrug. Frau Liselotte hatte sich eine Villa im Tiergarten gemietet, um ihre Stimme in Berlin noch weiter auszubilden, aber sie litt unter dem Tanz um das goldene Kalb, der begann, als man erfuhr, daß die schöne Gesangschülerin der Königlichen Hochschule reich und frei war.
Ernst und unnahbar wurde sie und – einsam.