Dann kam der Konzertabend in der Singakademie, an dem sie Bertold Eik zum ersten Male wiedersah.
Wiedersah als großen, unerreichten Künstler.
Und das Kinderherz in ihr flog ihm entgegen und alles Trennende schien zu versinken, aber sie hörte, daß er jäh die Künstlerlaufbahn abgebrochen habe und die großen Besitzungen der Eiks übernehmen werde. Sie hörte, daß seine schwere einstige Kopfwunde ihm immer noch zu schaffen machte, und man verhehlte ihr nicht die häßlichen Einzelheiten ihrer Entstehung.
Auch seine geheimnisvolle Begleiterin sah sie und hörte von ihr, aber nichts von alledem drang in das Stillste und Tiefste ihres Herzens, das dem Jugendfreunde seit Urbeginn gehörte.
Und als die Sehnsucht nach der Thüringer Heimat sie packte und schüttelte, daß sie meinte in der fremden Großstadt verzagen zu müssen, da ließ sie die Pforten ihres Vaterhauses öffnen, ließ Licht und Luft und Sonne durch die unverhüllten Fenster einziehen und duckte sich mit ihrem Kinde in das stille, sonnenwarme Nest. –
Heute an dem Sommernachmittag, der sich schon sacht mit dem Abend grüßte, wartete Frau Liselotte auf Elfi, die ihren Gesundheitsspaziergang mit den Puppen etwas gar zu lange ausdehnte, so daß die Mutter schon ein paarmal in Sorge über den Gartenzaun gelugt hatte.
Nun setzte sie sich in die Geisblattlaube und die sonst immer fleißigen Hände, die am liebsten jedes Stück, dessen der Liebling bedurfte, selbst nähten, lagen gefaltet auf der kühlen Platte des alten Steintisches.
Allgemach kam ein süßes Träumen über sie und der Kopf sank auf die verschlungenen Hände.
»Gewiß weint Mutti wieder,« meinte Elfi zu sich selbst, die ganz leise durch das Gartenpförtchen über den weichen Rasen herangefahren war. Ein glückliches Lachen überzog das Schelmengesicht und wechselte mit einem rührend sorglichen Ausdruck.
Was hatte der große, gute Herr im Eichenborn ihr zugeflüstert?