Brennstoff, selbst Lehrerssohn, hatte Musik studieren dürfen, gab sämtlichen Musikunterricht in Schwarzhausen und war Organist der Stadtkirche; Hieronymus Teichmann dagegen war der Nachfolger seines eigenen Vaters geworden, – die Teichmanns dienten seit Menschengedanken den Eik von Eichens, waren Schloßverwalter, Silberdiener und Haushofmeister seit Generationen. Originale waren sowohl Brennstoff wie Teichmann.
Beide liebten in ihrer Jugend das gleiche Mädchen, aber Teichmann durfte sie heiraten und hatte es nie bereut.
Thereschen Balian aber ahnte nichts von Kantor Brennstoffs Liebe und so wurde sie Teichweibchen.
»Das paßt und klingt gut,« meinte der Kantor entsagungsvoll. »Der Teichmann und das Teichweibchen. Hingegen der ›Brennstoff‹, und weiter gar nichts, noch mehr Brennstoff bringt nur Explosion.«
Ganz allmählich waren aus den zwei Freunden vier Unzertrennliche geworden, es hatten sich Beethoven und Wagner zu ihnen gesellt.
Auf irgendeinem spinnewebdunkeln Oberboden des grauen Hauses hatte ein Spinett gestanden; Hieronymus erhielt die Erlaubnis, es sich herunterzuholen, und auf diesem Spinett tippte er leise und andächtig in seinen Mußestunden herum, bis dann abends Organist Brennstoff kam und mit weichen, großen Händen wunderbare Töne daraus hervorlockte.
Diese Töne wühlten das Innere auf und sänftigten es wieder, diese Töne ließen die beiden alten Herzen wunderbar schwingen, also daß die Hände, die zu den Herzen gehörten, sich falten mußten.
»Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre!«
»Herrgott, lieber Zacharias Brennstoff, – gibt es denn nur noch so etwas auf dieser Erden! Man könnte wahrlich närrisch werden, – spiel’ weiter, Brennstoff, – damit ich mein’, es musizieren die Engelein.«
Dann präludierte der Stadtorganist weiter, und die schlichten Töne verdichteten sich zu einem Gemälde, und es war den beiden Alten, als hinge das Adagio der fünften Symphonie in breitem, wunderbarem Goldrahmen an der Wand über dem alten Spinett.