Mich statt des Traums empor,
Dann schau’ ich selbst hernieder
Zu dir aus höherm Chor.«
So war es jahrelang gewesen, – da sah und hörte und fühlte der Organist Brennstoff zum ersten Male Bayreuth.
Ein Stipendium, eine Fahrkarte und eine Berechtigungskarte für den Nibelungenring fiel vom Himmel hernieder in seine Hand, – so meinte er heute noch, und doch hatte er den eingeschriebenen Brief dem Postboten selbst abgenommen.
Wie im Traum war er damals aus Bayreuth zurückgekommen, und die Schwarzhausener merkten es nicht, daß die heiligen Hallen der Stadtkirche sich mit Wotans und Siegfrieds Gesängen füllten, und daß sich von dem Platze ihres Organisten aus ein goldener Regenbogen spannte, auf dem der verzückte Orgelspieler geradeswegs in Walhalla einzog.
Es war ein Glück, daß Hieronymus Teichmann eine so gleichgestimmte Seele war, – Meister Richard Wagner brauchte gar nicht lange auf dieser Harfe zu schlagen, da hatte er den ganzen Menschen schon mit Haut und Haar.
Alles ersparte Geld ging beinahe auf Partituren drauf, die Brennstoff dem Freunde mit himmelhochjauchzender Begeisterung vorspielte, und Hieronymus sang beim Silberputzen: »Winterstürme wichen dem Wonnemond« und »Heialaweia«.
Und jedesmal, wenn die beiden Freunde über Wagner philosophierten, schlossen sie ihr Zwiegespräch: »Es war ein herrlicher Mann und ein göttlicher Musiker, aber auch der, der uns die Bayreuther Karten gab, soll bis in die Knochen gesegnet sein!«
»Uns« – sagten sie, – denn wenn auch nur der eine im gnadenreichen Bayreuth gewesen war, – sie fühlten sich eben beide als dieser eine.