Heute waren sie wieder einmal in Walhall gewesen, – hatten dann den herabsinkenden Sonnenball mit Beethoven heimgeleitet und wollten nun selbst die Ruhe aufsuchen, als der Organist plötzlich sagte: »Meister Beethoven hängt tatsächlich in der Luft. Mir ist’s, als hätte ich ihn heute immerfort in den Ohren, auch wenn dieses Klavizimbel schweigt, – hörst du nichts, Hieronymus?«
»Freilich, – ich wollt’ es nur nicht wagen, und dir von der Erscheinung sagen, – hör’ nur – – als ob’s hier oben wär’. Oder kommt es von draußen her?«
Die beiden Freunde sahen sich an und lauschten wieder.
Es war wie der Gesang einer Äolsharfe.
Aber Äolsharfen pflegen nicht Beethoven zu säuseln, und doch unterschieden die beiden alten Freunde gar genau, wenn auch nur harfenfein, die Töne.
»Heil’ge Nacht, o gieße du
Himmelsfrieden in dies Herz – – –«
Sie forderten sich nicht zu irgendeiner Tat auf, – wann wären sie jemals uneins in ihren Gedanken gewesen?
Mit dem Finger auf dem Mund stiegen sie die gewundenen, schnörkeligen Holztreppen hinauf, und auf dem zweiten Absatz kam Beethoven schon deutlicher zu Wort. Aber nirgends eine Spur von dem Sänger oder Spieler, nur – die Tür eines uralten Schrankes klaffte ein wenig, allein dem strengen Auge eines ordentlichen Haushofmeisters bemerkbar, und dann zogen die Freunde aus den Tiefen des Riesenschrankes das Geigerlein hervor, das ganz betäubt war von Dunkelheit, Musik und – Mottenpulver.
»Jesus! Unser Junker Bertold!« rief Hieronymus »Nun sag’ nur mal, wie kommst du rein in diesen dunkeln Kleiderschrein?«