Bertold blinzelte die beiden an.
»Ach, nirgends darf ich spielen, – und nun hast du mich auch hier gefunden, Hieronymus. Wirst du es dem Großvater sagen?«
Der Alte schüttelte begütigend den Kopf und zog ihn mit sich die Treppe hinunter. Organist Brennstoff aber hatte vorsichtig die Geige dem Knaben abgenommen und prüfte nun beim Dämmerlicht, das durch das Flurfenster fiel, die herrliche Maserung des alten Holzes und erkannte schließlich mit andächtigem Entzücken den Namen auf dem Boden der Geige durch das geschwungene S hindurch.
»Heilige Cäcilie, ich halte eine Amati in der Hand, – Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren.« Brennstoff drohte zu explodieren, »Das, was ich sagte, ist keine Gotteslästerung, – das sei ferne von mir, – aber es ist etwas Heiliges um eine Amati, und dieser Jungherr scheint zu wissen, was er Kostbares hegt.«
Sie waren wieder in das Poetenwinkelchen eingetreten.
»Ja, ich weiß es,« entgegnete Bertold ernsthaft. »Vater hat sie mir ja gegeben, ehe – ehe er starb. Heiligtum, sagte er nur, und dann – – –«
Die Augen des Knaben waren wieder ganz schwarz vor Erregung, und Hieronymus strich ihm hastig über den dunkeln Kopf. Still bei sich dachten beide Männer dasselbe.
Daß der Name Malcroix auch ehemals ein Heiligtum gewesen sei und durch die Schuld des Mannes, der eine Geige so hoch hielt, zu einem wertlosen Fetzen geworden war, den man seinem Knaben zum eigenen Besten fortgenommen.
»Nun spiele,« brach Hieronymus das Schweigen, »hier ist mein Reich, und ich kann wehren, wer uns hier etwa wollte stören.«
Und der Knabe spielte.