Er hatte sie schon als Kind geliebt, das Ännchen, und obgleich ihre Augen nachtdunkel waren, für ihn waren sie die Sonne.

Freilich war das Mädel viel jünger als er, aber er hatte sich innerlich jung, rein und herzwarm gehalten; der Vater Hieronymus liebte ihn, und das Ännchen vertraute ihm alle ihre Geheimnisse.

Nur das eine nicht, – – und er war doch jahrelang ihr treuester Freund, der nur auf ihren achtzehnten Geburtstag wartete, um die inhaltreiche Frage zu tun: »Hast du mich lieb, Ännchen?«

Zu spät, du dummer, gescheiter Herr Lehrer.

Denn an ihrem achtzehnten Geburtstage zog man Ännchen aus dem Mühlenteich, das kleine, liebevolle, vertrauende Mädel, das dem Lehrer Tüllen zu jung gedünkt hatte für die heilig-tiefe Frage – – –

Und wie er damals den rasenden Pferden in die Zügel fiel, so tat er es jetzt mit dem rasenden Vater Hieronymus, er nahm ihm den Revolver aus der Hand.

Schlaf ruhig, Ännchen!

Dein alter braver Vater soll nicht zum Mörder werden und – dein Liebster ist keinen Schuß Pulver wert.

Lehrer Tüllen betrat Haus Eichenborn nicht wieder.

Wenn er und Vater Hieronymus Teichmann sich begegneten, dann grüßten sie sich stumm mit schweren Blicken; gesprochen hatten sie nicht wieder miteinander.