»O, ich hab’ mir das alles überlegt,« meinte Liselotte. »Dann ist eben die Operation nicht geglückt, – es kommt oft vor bei großen Leuten, nur daß ich eben meine süße Emmy nicht sterben lasse.«

Liselotte sah ernsthaft und wichtig aus; dann zog sie Bertold mit sich nach Hause in das große, tiefe Zimmer, in welchem der prächtige Bechsteinflügel stand, und sagte: »Nun wirst du gleich nicht mehr an die Puppen denken, denn Hans will uns vorspielen.«

Der Fahnenjunker betrachtete etwas spöttisch seine gespannt dasitzende Zuhörerschaft, – die kleine, strahlende Base, den ernsthaften Jungen und die Base Juliane, welche Tränen vergoß, wenn er den »guten Mond«, den »schönen Schweizerbub« oder »das Gebet der Jungfrau« vom Stapel ließ, während sie bei Chopin und Grieg in der Stube herumwirtschaftete, mit Scheren und Fingerhüten, Messern und Gabeln, Gläsern und Tellern viel Spektakel vollführte und schließlich türschlagend das Zimmer verließ.

Hans von Windemuth war ein künstlerischer Dilettant.

Die schwersten Sachen perlten unter seinen weißen, wohlgepflegten Händen, Grieg und Schumann, Chopin, Liszt, er spielte sie alle herunter, und Bertold und Liselotte starrten ihn an, als sei er etwas ganz Unglaubliches.

Das gefiel dem jungen Krieger über die Maßen.

»So, nun spielt ihr,« meinte er gnädig und überließ seinen Platz am Flügel der kleinen Base.

Aber sie kam nicht zum Spielen, denn die Tür war mit leisem Klapp hinter Bertold zugefallen, – er ging ohne Abschiedswort.

»So ist er nun,« klagte Liselotte. »Du hast zu schön gespielt, dann kann er immer kein Wort sagen.«

»Er hat keine Manieren,« meinte Hans von Windemuth streng.