Auch die große Figur und die kerzengerade, aufrechte Haltung würde er gleich dem Großvater haben, ebenso die dichten, schöngeschwungenen Augenbrauen, den energischen Mund und – – den Jähzorn.

An all dies dachte Frau Franziska, als sie ihrem fröhlichen Knaben nachschaute, wie er federnden Ganges mit seiner geliebten Geige dahinschritt, und an all dies dachte sie, als er nach kaum einer halben Stunde totenblaß zu ihr ins Zimmer zurückkam und sich vor ihr auf die Knie warf, den wirren Lockenkopf in ihren Schoß drückte und nur immer wieder stammelte: »Mutter, ach Mutter!«

»Was war geschehen?« So fragte sie sich selbst, als sie nur einen Augenblick in das verstörte, gramvolle Gesicht ihres Buben geschaut hatte, das so traurig, so krank aussah, daß sie die Frage gar nicht laut stellen mochte.

»Mutter, ach Mutter!« Wieder ein wehes Aufschluchzen.

»Werde ruhig, mein Herzensjunge!«

»Ich kann nicht ruhig werden, nie wieder, Mutter! Mutter – sag’ – ist es wahr? War der Papa, – mein Papa, – – sie sagen, er wäre ein Schuft gewesen.«

Das Gespenst! Da stand es wieder vor Franziska Malcroix und grinste sie an. Es würde nie verschwinden, das wußte sie. Und ob sie fliehen würde weit über die lieben Thüringer Berge, das Gespenst ihres befleckten Namens würde neben ihr schreiten oder hinter ihr drein laufen und sie immer wieder einholen.

Frau Franziska weinte bitterlich. »Mein Junge, mein armer Junge!«

Bertold strich sich die feuchten Locken aus dem verweinten Gesicht und sah die Mutter an. »Du sagst nichts, Mutter? Ist es wahr?«

Ihre Augen sahen über ihn hinweg ins Weite.