»Mein Junge!« stöhnte Franziska, denn alles Leid und alle kargen Freudenstunden der Vergangenheit wurden in diesem Liede lebendig.

Bertold hatte den Kopf aufgerichtet und sah jetzt mit leuchtenden Augen in den dämmernden Abend.

Sein Kindergesicht sah reif und ernst aus, als habe die Hand des Schicksals heute darüber gestreift und die harmlose Freude daraus mitgenommen.

»›O wohnte doch im Herzen mein so tiefer Friede für und für; mein Gott, laß mich dein Eigen sein, den Frieden find’ ich nur bei dir!‹ Mutter, – als du das sangst, da hielt uns Vater beide umschlungen und war so gut, so gut – –«

Bertold drückte sich wieder fest in den Arm der Mutter, als könne dieser allein ihm Schutz gewähren vor dem Furchtbaren, das heute auf ihn geschleudert worden war. –

Und die Mutter hielt ihn fest, so fest – aber sie schwieg.

Dies Kindergemüt war ihr zu heilig, zu zart noch, um es auch nur schattenhaft ahnen zu lassen, wie furchtbar sie unter dem genialen Künstler Malcroix gelitten, wie selbst die härtesten Beschuldigungen, die fremde Menschen aussprachen, noch nicht die Wirklichkeit erreichten – – –

Der Knabe schrie plötzlich weh auf, und seine Fäuste ballten sich.

»Ein schlechter Kerl! Mutter, – Mutter – einen schlechten Kerl nannte ihn der Hans, und die Liselotte nickte dazu, – ja Mutter, das tat sie. Und ich hatte ihnen doch nichts zuleide getan, – – war nur ein paarmal aufgesprungen und hatte gerufen: ›Es, es, um Gottes willen es‹, – kannst du dir vorstellen, Mutter, daß der Hans e spielte in As-dur? Da lachten sie über mich, und das machte mich so wütend; und immer mehr lachten sie, und dann verhunzten sie den Beethoven weiter – – – und Teichmann hatte doch gesagt – – – es ginge gar nicht – – – da riß ich Hans die Geige aus der Hand und schlug – – –«

»Bertold!!!«