»Nein.«
»Trocken gelegt?«
»Nein.«
»Hast du ihr Geschichten erzählt und sie abends mit in dein Bett genommen?«
Liselotte hatte den Bogen zu straff gespannt. Die letzte Zumutung brachte dem gestrengen Herrn von Eik seine unwürdige Lage diesem Dreikäshoch gegenüber besonders zum Bewußtsein.
Mit einem energischen Ruck hob er das kleine Mädchen aus dem Sessel hoch, es wehrte sich kräftig und stieß und schlug um sich, verschlechterte aber dadurch nur seine Lage. Denn der Griff, der sie umklammert hielt, wurde nun fester und äußerst schmerzhaft, sie wurde von dem jetzt sehr aufgebrachten Herrn einfach zur Tür hinausgeworfen, die er dann unbarmherzig hinter sich abschloß. Liselotte wußte zuerst kaum, was ihr geschehen war, sie strich ihr zerknülltes, weißes Röckchen glatt und schüttelte die zerzausten blonden Locken, dann aber begannen ihre kleinen Fäuste energisch an die verschlossene Tür zu schlagen und zu pochen, – ein ohnmächtiges Beginnen diesem schweren Eichengefüge gegenüber. »Gib mir Puppe Emmy her! Ich will meine Emmy wieder haben!« schrie und schluchzte in Zorn und Verzweiflung das kleine Ding, daß das Echo gellend von den hohen, hallenden Gängen wiederkam. »Du da drinnen! Du großes Ungetüm! Du schlechter Kerl! Ich will meine Emmy ohne Kopf wiederhaben!«
Und als dieser Ausbruch nichts nützte, – ach so ganz und gar nichts, und nichts in dem weiten, unheimlichen, einsamen Gebäude sich rührte, niemand sich blicken ließ, der ihr Antwort auf ihre tobenden Fragen geben konnte, da brach Liselotte in ein schluchzendes, bitterliches Weinen aus, dann lief sie die Treppe herunter, durch das Grasgärtchen, zum Tor hinaus, durch die Straßen an schwatzenden Kindern, an neugierig stehen bleibenden Leuten vorüber, und in jammervoll hohen Tönen schrie sie: »Der schlechte Kerl! O der schlechte Kerl!« bis sie das Haus Windemuth erreicht hatte und Base Juliane das aufgeregte Kind in Empfang nahm. –
Der Spätabend war hereingebrochen, als Herr von Eik sich von seinem Sessel erhob und auf ein sachtes Pochen an der Tür diese öffnete.