»Nein, die ist es nicht.« Herr von Eik senior war einige Schritte näher getreten. »Der alte Valentin Erkner ist seit vierzig Jahren an unserer Fabrik, er und seine alte Frau sind ganz gebrochen von der Schande ihrer Enkelin.«
Herr Baldamus zuckte unbehaglich die Achseln. »Laß uns doch nicht darüber sprechen! Ich werde alles mit ihnen abmachen.«
»Du willst sie heiraten, Baldamus?«
Ein häßliches Lächeln trat auf das Gesicht des jüngeren Mannes, – es verschwand aber sofort wieder und machte einem harten, wilden Ausdruck Platz. »Ich heirate niemand und will niemand heiraten, als die eine, die du mir einst fest versprachst. Hörst du, Pflegevater, – fest versprachst,« zischte Herr Baldamus. »Weiß Gott, ich bin ein geduldiger Warter gewesen, – – – hilf mir, Pflegevater!« Diese letzten Worte wurden mit völlig veränderter Stimme gerufen, er schien in großer Aufregung zu sein, ein ganz ungewohnter Anblick bei dem sonst so glatten, ruhigen, gesetzten Manne, den ja auch die Schwarzhausener gerade wegen dieser Ausgeglichenheit so sehr schätzten. Der alte Eik sah seinen Pflegesohn zornig und ungläubig an.
»Du weißt wohl nicht mehr, was du sprichst, Baldamus. Ich – soll Franziska zureden? Ich? Nachdem ich dies weiß? Und nachdem mir schon jahrelang der Anblick von Hieronymus Teichmann unerträglich war – – –«
»Laß doch die uralten Geschichten, Pflegevater. Ich wärme ja auch nicht auf – – –«
Lauernd richteten sich seine Augen auf den alten Herrn, der plötzlich müde und verfallen aussah. »Du weißt ja selbst, Pflegevater,« fuhr er langsam und streng betonend fort, »wie schwer es wird, immer und immer den Schein zu wahren, – – deine ganze Lebensarbeit hast du daran gesetzt, und die sittenstrenge Kleinstadt lohnt dir nicht einmal deinen einwandfreien Lebenswandel. Mehr als einmal schon – – –« er lachte hölzern und meckernd, »hörte ich, wie man dich einen ›schlechten Kerl‹ nannte.«
»Schweig!« rief Herr Eik senior heftig, und die Adern auf seiner Stirn schwollen an.
»Gut, ich schweige! Aber dann erzähle auch du keine ollen Kamellen und – – – sprich mit Franziska.«
Herr von Eik senior antwortete nicht, er ließ sich schwer in den Sessel fallen, und man sah, wie die furchtbare Aufregung in ihm arbeitete. Erst als er bemerkte, daß Baldamus das Zimmer verlassen wollte, beruhigte er sich etwas und rief mit heiserer Stimme seinen Pflegesohn an.