»Bleibe noch, Baldamus! – Ich habe noch etwas mit dir zu besprechen. Wie kommst du dazu, den Leuten zu sagen, daß ihre höhere Lohnforderung von mir berücksichtigt werden würde? Die Arbeiterdeputation war heute bei mir, der Heinrich Liebetraut war der Sprecher, – er ist ein Stänker, behauptet aber, von dir besonders ausgesucht worden zu sein.«

»Damit hat er recht,« meinte Herr Baldamus gelassen. »Ich wollte durch diesen verbissenen Krakehler, dem beinahe einzigen Wühler in unserem kleinstädtischen, biederen Betriebe den Worten der Arbeiter etwas mehr Nachdruck geben, falls du etwa zögern solltest, ihren unverschämten Forderungen nachzugeben. Du hast bewilligt, Pflegevater?«

»Bewilligt? Ich denke nicht dran. Du nennst ja selbst ihre Forderungen unverschämt. Besonders sind sie es deshalb, weil ich erst vor Jahresfrist erhöhte.«

»Du wirst sie wohl annehmen, Pflegevater. Es ist besser, wir wenden bei diesen Leuten Vorsicht an, als daß wir merken lassen, daß wir ihre Nachsicht brauchen. Die Eiks wirft die Mehrbewilligung nicht um, den Leuten wird der Mund gestopft, und sie trotten in ihrem Schlendrian weiter, ohne Verlangen zu tragen, uns etwas am Zeuge zu flicken.«

Es sah aus, als striche wieder eine Hand über das Antlitz des alten Herrn und ließe es grau und verfallen erscheinen.

»Baldamus, ich kann nicht. Ich helfe ihnen, wo es nur möglich ist, offen oder heimlich, aber nach meinem Willen und Gesetz. Lasse ich mir jetzt plötzlich von ihnen vorschreiben, dann bin ich nicht mehr der alte Eik, und sie schieben mich zu den Fabrikbesitzern, die vor ihren Arbeitern zittern, und ich bin bei ihnen drunter durch, denn für Ertrotztes sagen sie mir keinen Dank.«

»Meinst du, sie danken dir, wenn du ihnen gar nichts gibst?« fragte Baldamus heftig; innerlich dachte er, daß sein Pflegevater jetzt doch recht alt würde und sich mit einem Male durch verrückte Empfindungen leiten ließe. Dieser starre Eiksche Ehrbegriff mußte etwas ins Wanken gebracht werden.

»Ja, das meine ich,« stieß Herr Eik senior hastig heraus. »Die meisten von unseren Leuten hängen an unserem Hause, wissen, daß sie es gut haben, daß sie nicht gedrückt werden. Ihre Forderungen sind ihnen von den paar jungen Kerlen, die frisch von der Walze kommen und unverdauliches Zeug gehört und gelesen haben, aufgeschwatzt worden. Ich werde ihre Entlassung verfügen, mit den Alten dann noch ein vernünftiges Wort reden und – – –«

Herr Baldamus lachte laut und erbittert.

»Und Heinrich Liebetraut wird Herr der Situation sein.« Baldamus legte schwer die Hand auf den Arm des Pflegevaters. »Du mußt nachgeben,« sagte er hastig. »Du mußt. Heinrich Liebetraut ist gefährlicher, als du ahnst. Er hat viel gelernt, ist mit der Feder gewandt und lauert darauf, uns einen Knüppel in den Weg zu werfen.« Herr Baldamus dämpfte jetzt seine Stimme. »Er ist außerdem Jettchen Erkner nachgestiegen, – – ahnt aber noch nichts. Bewilligen wir die Zulage, so geht er als Agitator fort, denn in Schwarzhausen ist ihm der Horizont zu eng, – bewilligen wir sie nicht, so bleibt er als unser Feind und wird nicht ruhen, bis er alles herausgebracht hat. Dann ist aber auch dein Königtum von Schwarzhausen vorbei, und du bist nichts als – – –«