Natürlich gibt es eine Möglichkeit, den Zerfall des jüdischen Volkes in Deutschland zu verhüten, wenn nämlich die Ursachen, die jetzt zur völligen Auflösung führen, in Fortfall kämen. Ob es tunlich ist, die Voraussetzungen zu bannen, ist eine überaus schwierige Frage.
Meine Untersuchung beleuchtet diese Probleme, lehrt die Zusammenhänge zwischen der Entwicklung der Ziffern der Geburten, Taufen, Mischehen, usw und den soziologischen Einflüssen, sie belegt die Bedeutung der Zahlen, der Kurven, sie geht auf die Wanderung, auf die Berufstätigkeit, auf das Heiratsalter, auf die Ausstrahlungen des Kapitalismus ein. Ich schrieb s. Z. in der ersten Auflage:
„Vorausgesetzt, der neue Gedanke dieses Buches erweist sich als richtig, so wird er wohl die deutsche Judenheit, die sich bisher als religiöse Gemeinschaft lediglich dazu berufen fühlt, die Erfüllung der Ritualien zu überwachen, veranlassen, eine grosszügige Volkspolitik zu treiben, um das zu retten, was zu erhalten ist (oder wenigstens zu versuchen, ob es zu retten ist). Und selbst, wenn viele jüdische Gemeinden so kurzsichtig sein werden, trotz aller Anzeichen von dem drohenden Zerfall lieber der Stimme unverbesserlicher Optimisten zu vertrauen und in bequemem Quietismus zu beruhen, als energischen Gegenmassregeln sich anzuschliessen, so wird doch die Idee, erst einmal durch die Blätterwelt und die mündliche Verkündigung zum geistigen Gemeingut des Volkes geworden, auf alle möglichen sozialen und politischen Aktionen befruchtend einwirken ...”
Auch die Nationalökonomen vom Fach haben die Bevölkerungsbewegung, die sich unter den deutschen Juden vollzieht, mit Interesse verfolgt, weil wohl kein Volk, keine Bevölkerungsklasse in demselben kurzen Zeitraum eine so wechselvolle, zahlenmäßig genau zu belegende Entwicklung durchmachte, weil wohl keine Rasse oder Gemeinschaft Geburteneinschränkung, Sterblichkeit, Ehelosigkeit, auf eine Tiefe resp. Höhe gebracht hat, die als das non plus ultra gelten muß.
Die Nationalökonomen haben an den Juden studiert. Ein Schriftsteller hat sie einmal das „Barometer der Völker” genannt. Diese Hypothese gebietet Aufmerksamkeit. A. Grotjahn, der Altmeister der Sozialhygiene, schrieb in seinen Jahresberichten in einer Besprechung:
„Mit den überaus pessimistischen Profezeiungen des Verfassers über die Zukunft des Judentums mögen sich auseinandersetzen, die es angeht. An dieser Stelle ist nur mit Nachdruck hervorzuheben, dass der hier geschilderte Verfall nicht eine spezifische Eigentümlichkeit der Juden ist, sondern nur bei ihnen reiner zur Beobachtung kommt, als bei den entsprechenden Schichten der nichtjüdischen Bevölkerung Mitteleuropas, die z. Z. noch aus dem, übrigens nicht unerschöpflichen Born des ländlichen und städtischen Proletariats Zufluss erhält. Tua res agitur Germania, agitur. Das vorliegende Buch ist die beste Arbeit der letzten Jahre auf dem Gebiete des Entwicklungsproblems, nicht nur dem sachlichen Inhalte nach, sondern vor allem wegen der hier geübten, geradezu vorbildlichen Methode, die den konkreten Fall auf Grund statistischen Materials empirisch untersucht und auf Anwendung darwinistischer Metaphysik, die bei den Erörterungen über die Völkergeneration bereits starke Verwirrung angerichtet hat, verzichtet”.
Das deutsche statistische Centralblatt anerkannte in einer Besprechung in der ersten Nummer des Jahres 1912 den Wert derartiger Untersuchungen mit den Worten:
„Die Bevölkerungs-Bewegung der Juden des letzten Menschenalters wird nicht zuletzt der Statistiker mit Interesse verfolgen.”
Die „Deutsche Hochschule” (Nr. 7 1912) lobte die Ausführlichkeit und die Objektivität des „Untergangs” in der Sammlung und Verarbeitung des reichhaltigen statistischen Materials.
Dr. Mottek faßte im „Freien Wort” den Hauptteil meiner Untersuchungen als den „Selbstmord des Kapitals” oder klar ausgedrückt „Die geringe Vermehrung der besitzenden Klassen durch Zeugung von Kindern” zusammen, und Rüdin hat im „Archiv für Rassen- und Gesellschafts-Biologie” diese Arbeit als den Spiegel für die christlichen Staatsbürger genannt, „darinnen sie die Zukunft auch des Kulturchristen sehen, die ebenso unvermeidlich trübe ist, wenn nicht ein sexual-hygienisches Fühlen und Handeln aufkommt, wie es Theilhaber den Juden rät.”