Trotz der Zuwanderung von Ostjuden, die für die süddeutschen Staaten auf 10-20% der einheimischen Bevölkerung und mehr betragen, entstand eine deutliche Stagnation resp. ein auffallender Rückgang des jüdischen Anteils.
Die süddeutschen Staaten, die zusammen 1880: 160159 zählten, wiesen 1910 nur noch 147489 auf.
In den mitteldeutschen Kleinstaaten sind analoge Verhältnisse.
Die Juden der Hansastädte, deren allgemeine Bevölkerung sich seit 1880 durchschnittlich verdoppelte, konnten sich nur durch den Einwanderungsgewinn der Ostjuden minimal entwickeln.
Die Zunahme der Juden in Sachsen ist durch die russische und österreichische Immigration erfolgt.
Somit ist abgesehen von Preußen ein Rückgang der jüdischen Bevölkerung eingetreten resp. der Zuwachs durch die ausländische Wanderungsbewegung bedingt.
DIE JUDEN IN PREUSSEN.
Vor hundert Jahren (1816) hatte Preussen 123938 = 11,9 0/00 Juden, die sich trotz des starken Abströmens und keiner nennenswerten Einwanderung bis 1861 verdoppelt hatten und 251145 = 13,6 0/00 ausmachten. Nach der Einverleibung von Schleswig und der 1866 annektierten Gebiete treffen wir 1867: 313156 Juden, die in 45 Jahren um ein schwaches Drittel zunahmen, d. h. um 100000 Seelen, von denen 50000 in 13 Jahren bis 1880 gewonnen wurden und in den darauffolgenden 30 Jahren wiederum 50000. Es gab ihrer
| 1871: | 325426 = 13,2 0/00 |
| 1880: | 363790 = 13,3 0/00 |
| 1890: | 372059 = 12,4 0/00 |
| 1900: | 392372 = 11,4 0/00 |
| 1910: | 415867 = 10,7 0/00 |