| In | dem | Jahrzehnt | 1871/80 | betrug | die | Zunahme | 38400 |
| „ | „ | „ | 1881/90 | „ | „ | „ | 8300 |
| „ | „ | „ | 1891/1900 | „ | „ | „ | 20300 |
| „ | „ | „ | 1901/10 | „ | „ | „ | 23500 |
Nach einem Rückgang in den 80er Jahren erfolgt wieder eine stärkere Bevölkerungszunahme in den nächsten Jahrzehnten. Leider besitzen wir nur eine unvollkommene Erfassung der Einwanderung. 1880 ermittelte die amtliche Untersuchung 11390 und 1905 38844 nichtdeutsche Israeliten. Berlin hat folgende drei Auszählungen veranstaltet:
Berlin ermittelte für seinen Stadtbezirk
| 1890 | 5077 | ausländische | Juden |
| 1900 | 11651 | „ | „ |
| 1905 | 18316 | „ | „ |
| 1910 | fehlt! |
Mit Charlottenburg und den übrigen Vororten dürfte Groß-Berlin bereits 1905 ca 23000 ausländische Juden beherbergt haben. Wenn nun Segall diese Einwanderung für eine vorübergehende Erscheinung nimmt, so entspricht das weder der ganzen Entwicklung, noch der Analogie in Sachsen etc., noch den inzwischen zur Geschichte gewordenen Tatsachen. Alle Kenner haben die Zunahme der Ostjuden bestätigt. Nachdem 1905 knapp 40000 ermittelt waren, werden es 1910 50-60000 gewesen sein, so daß der Zuwachs an preußischen Juden seit 1880 auf ihr Konto fällt; da von 1905 auf 1910 eine Zunahme von insgesamt nur 6366 jüdischen Seelen in Preußen gezählt wurde, ist dieser Ueberschuß wohl fraglos allein von dem Zuzug der Ostjuden getragen. Ohne den Andrang vom Ausland hätte die Volkszählung von 1910 auch für Preußen eine Abnahme an Juden ergeben.
Segall läßt die Ostjuden nur in dem Pogromjahre 1904 vorübergehend nach Berlin flüchten. Das ist unrichtig. Die Industriebezirke in Oberschlesien und Rheinland, die Grenzorte wie Königsberg, Großstädte und zwar Frankfurt, Hannover, Breslau etc., haben seit 20 Jahren ständigen ausländischen Zuzug bekommen. Ein Zuzug, der in der Million Ausländer, im Deutschen Reich (anno 1910) an sich nicht gewaltig ist, bei der mangelhaften Fruchtbarkeit der deutschen Juden doch für diese ins Gewicht fällt.[11]
Der Centralverein der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens gab eine Schrift „Die Juden im Heere” von Dr. W. Leiser heraus, in der die ausländischen Juden auf mindestens 70000 zu Beginn des Krieges geschätzt wurden. Nach den preußischen Ermittlungen, die 1880 10000 ausländische Juden in Preußen ergaben, können damals noch keine 20000 in Deutschland gewesen sein. Auch darnach ist der Zuwachs der deutschen Juden seit dem Jahre 1880 auf die Ostjüdische Einwanderung zurückzuführen.
Bereits W. Bambus hat in einem Artikel, der mir erst jetzt in die Hände fiel (Nr. 5 jüd. Presse von 1902), berechnet, daß die Volkszählung mehr Seelen ergab, als der Ueberschuß der Geborenen über die Ausscheidenden betrug. Und er spricht in dem Artikel, den er bezeichnungsweise „Warnende Zeichen” nannte:
„Eine ernste Prüfung dieser Frage, bei der es sich um Sein oder Nichtsein handelt, wäre wahrhaftig des Schweisses der Edlen wert und verdienstlicher als manche Geistesarbeit unserer Gelehrten, auf welche Zeit und Mühe ohne Nutzen für die Gesamtheit verschwendet wird. Caveant consules!”