Wir haben schon betont, daß der Arbeiter, der Lohnempfänger und der Bauer frühzeitig die volle Höhe seines Einkommens, das ihm die Arbeit seiner Hände einbringt, erreicht. Der Jude, der zumeist Träger des Kapitalismus ist, oder es werden will, unterwirft sein Liebesleben diesem Idol. Er ist Herr und Sklave des goldenen Kalbes. Die Bewegungsfreiheit ist auf diesem Altar geopfert und der Einzelne machtlos gegen die überwältigenden Einflüsse dieses Götzen. Wenn er die Schranken des Wirtschaftsgesetzes durchbrechen will, in dessen Schatten er steht, so wird er nur persönliche Nachteile erfahren, die sein aufopferndes Beispiel nicht als begehrenswertes Vorgehen vielen Jüngeren erscheinen lassen wird ...
Bedeutsam sind inbesonders diese und weitere Punkte, die wir kurz andeuten wollen:
- Der deutsche Jude ist durchschnittlich bereits seit 15 Jahren geschlechtsreif und seit 10 Jahren geschlechtlich tätig, ehe er in die Ehe tritt. Durch sein Vorleben sind seine erotischen Instinkte ihrer Ursprünglichkeit beraubt, so daß uns die Erschütterung der inneren Gebundenheit vieler jüdischen Ehen nicht überraschen kann.
- Dem späten Eheschluß gehen venerische Krankheiten in erhöhtem Maße voraus, die proportional mit der Länge der Wartezeit ansetzbar sind. Aus ihr entspringt ein entsprechender Prozentsatz von Infektionen der Ehefrauen und eine Verseuchung des Nachwuchses.
- Je größer der Altersunterschied zwischen den
Eltern und Kindern ist, desto stärker klafft die
Weltanschauung zwischen ihnen. Jede Generation
spricht eine andere Sprache, die das gegenseitige
Verständnis zum mindesten erschwert und die
die über das Maß der blutsverwandtschaftlichen
Beziehungen hinausgehende Freundschaft zwischen
beiden Teilen verkürzt. Jede Erweiterung des
Altersabstandes erweitert die psychische Kluft.
Die häusliche Erziehung der Kinder wird durch die Erschwerung des Wirtschaftslebens in der Großstadt auf eine neue Basis gestellt. Die Einwirkung der Eltern im jüdischen Sinne, wie sie in der Kleinstadt Usus war, erfährt in der Großstadt eine Minderung. Selbst in Kreisen, die der Religion großes Interesse entgegenbringen. Dadurch entsteht eine geistige Entjudaisierung, über welche sich insbesondere die Lehrer entsetzen und über die allgemein geklagt wird, die aber selbstverständlich ist. Ob den altjüdischen Einfluß des Elternhauses jüdische Schulen und eigene Schulgemeinden ganz ersetzen, ob bei der Abnahme der Geschlossenheit der Ehe und dem Rückgang des Konnexes zwischen den Generationen, insbesondere im großstädtischen Milieu, die neuen Edukationsformen den alten Geist übermitteln können, ist recht fraglich. —
Die Entwicklung der Eheschließungen verraten uns einige Ziffern.
Es fand statt eine Eheschließung von Juden
| im Durchschnitte der Jahre | in Preußen | Bayern | Deutschland |
| 1875-84 | 2517 | 362 | |
| 1885-94 | 2577 | 360 | |
| 1895-00 | 3131 | 384 | |
| 1901-05 | 2534 | 3908 | |
| 1906-09 | 2672 | 3978 | |
| 1910 | 2667 | 367 | 3880 |
| 1911 | 2581 | 390 | |
| 1912 | 2546 | 372 | |
| 1913 | 2482 | 389 | 3883 |
In Deutschland betrug die Zahl der Eheschließungen 1901-1909 durchschnittlich bei der allgemeinen Bevölkerung 8,0 % bei der jüdischen Bevölkerung 7,2 %.
In Berlin in den 10 Jahren vor dem Krieg (incl. Mischehen) trotz Konstanz der heiratsfähigen Bevölkerung:
| 1904 | 1504 | 1909 | 1433 |
| 1905 | 1533 | 1910 | 1429 |
| 1906 | 1524 | 1911 | 1438 |
| 1907 | 1562 | 1912 | 1356 |
| 1908 | 1451 | 1913 | 1251 |