Die allgemeine Fruchtbarkeitsziffer für die gesamte Bevölkerung war z. B. in Bayern
| 1908-12 | 1913 | |
| in den Großstädten | 87,1 | 74,9 |
| in den Bezirksämtern | 145,5 | 124,0 |
Jeder Mathematiker kann nachrechnen, daß eine Bevölkerung ohne jede Kindersterblichkeit 57,2 Geburten pro Jahr auf 1000 Frauen (15-50 Jahren) gebraucht. Bei einer idealen Säuglings- und Kindersterblichkeit und Mortalität der Erwachsenen bis zum 50. Jahre aber 65 Geburten. In praxi dürften bei den heutigen Mortalitätsverhältnissen 70 Geburten auf 1000 gebärfähigen Frauen gerade die Bevölkerung erhalten. Darnach war die Berliner jüdische Fruchtbarkeit um über 40% zu gering.
Segall verlangte nach einer Fruchtbarkeitsstatistik eines Landes. Die großstädtische Ziffer genügte ihm mit Recht nicht. Er hätte sie sich selbst bequem aus der Ruppinschen Arbeit (III. Jahrgang der Zeitschr. f. Statistik) ausziehen können. Sie ergibt für das Jahr 1905 und für Hessen mit reichlich ländlichen Gemeinden einen Fruchtbarkeitswert von 65. Damit hinkt die jüdische Fruchtbarkeit Hessens der Berlins nicht sehr nach. Auch Hessen teilte das Schicksal der deutschen Juden bereits 1905.
Genug der Methodik, der Tabellen, der Polemik.
Eine folgende schlichte Zusammenstellung ergibt dem, dem das Gewirr der Tabellen nicht Klarheit bietet, den erwünschten Ueberblick.
Von 100 Mädchen, die vor 45 Jahren von jüdischen Eltern geboren wurden (im Durchschnitt berechnet)
| sind getauft als Kind und später | ledig u. kinderlos | ledige Mütter | heir. Nichtjud. | heir. Juden | Insgesamt |
| 2 | 22 | 3 | 18 | 55 | 100 |
| davon jüdisch. Nachwuchs 0 | 0 | 3 | 4 | 118 | 125 |
Auf jede dieser Frauen kommen momentan durchschnittlich 1,25 Kinder, während zur Erhaltung der Art 2,4 Kinder auf den Schoß jedes Weibes entfallen sollten. (Man verwechsle hiermit nicht unsere Berechnung, wonach auf jede jüdische Ehe je 2,15 kommen. Hier handelt es sich nicht nur um die Ehestatistik, die übrigens in Rubrik 5 enthalten ist, sondern um die Fruchtbarkeit im allgemeinen). Selbst wer nachsichtig, noch so liebevoll wissenschaftlich die Statistik des jüdischen Sexuallebens bearbeitet, kann nie und nimmer zu anderen Resultaten gelangen. (Dr. Herlitz fand an einzelnen Familien ähnliche Resultate, die er in dem Wiener Archiv für jüdische Genealogie publizierte). Die den Juden zufließende Fruchtbarkeit war nach dem statistischen Stand im Jahre 1913 um die Hälfte zu gering.