[6] Azulai, der große italienische Talmudgelehrte hat in seinem Schem ha Ketolim vor 100 Jahren die These aufgestellt, daß es das Los der Juden sei, in der Diaspora in einem Lande zu blühen und in einem anderen zu sterben, nur im Wechsel ruhe sozusagen das Gleichmaß.
[7] Für Hessen findet sich die Zahl im Staatsarchiv zu Marburg. Im Jahre 1689 wurden 2566 Juden gezählt. Eine Feststellung für Deutschland ist m. E. noch nicht getroffen.
[8] Die gesetzestreuen Kreise zählen nach Schätzungen, die (u. a. geben die Anmeldungen zum Bezug von rituellen Lebensmitteln einen Anhaltspunkt) etwa 1/5 der deutschen Juden, wobei man als gesetzestreu alle die bezeichnen kann, die den Sabbath heiligen und die Speisegesetze beobachten. Wer die als gesetzestreu anerkennen wollte, die die Sexualvorschriften befolgen, würde in Deutschland wenige finden, die sich an das Gesetz halten. Denn so peinlich stellenweise die Sabbathheiligung durchgeführt wird, so lax stehen dieselben Kreise den sexuellen Forderungen gegenüber. Die Zahl der orthodoxen Juden nimmt übrigens beständig trotz des östlichen Zuzuges ab. Ein Blick in die Verschiebung des Wohnaufenthaltes bezeugt diese Tatsache insofern, als die dörfischen und kleinstädtischen Juden zum kleinsten Teil neolog, die Großstädte in der Hauptsache freisinnig sind. Darüber kann uns nicht hinwegtäuschen, daß die Orthodoxie der Städte neuerdings besser organisiert ist und das sie infolge des starken Zuzuges an Zahl gewonnen hat. Wir können annehmen, daß 1870 noch die Hälfte der deutschen Juden als gesetzestreu anzusprechen war, während die im letzten Krieg ermittelten Zahlen von 25% rituell lebenden Juden noch Teile bergen, die nur zu Hause die jüdische Küche beachten, im übrigen aber nicht mehr als Anhänger der Orthodoxie anzusprechen sind.
[9] Noch im Jahre 1462 erließ Markgraf Albrecht von Brandenburg die Erklärung: „... denn so ein yeder Romische Konig oder Kayser gekrönet wird, mag er den Juden allenthalben im Rich alle jr güt nemen, dazu jr leben und sie töten bis auf ein anzal, der lutzel (klein) sein soll, zu einer Gedechtnis zu enthalten ...” zitiert nach der Schrift von Dr. Ludwig Davidsohn „Beiträge zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Berliner Juden vor der Emanzipation” (Verlag L. Lamm Berlin 1920).
[10] 1832: 874, 1849: 1022, 1867: 2103.
[11] Wenn Segall trotz allem die Einwanderung als eine vorübergehende Erscheinung abtut, die das Bild der Entwicklung der deutschen Juden nicht aufs wesentlichste mitbestimmt, dann gehört diese Annahme zu den willkürlich getroffenen Konstruktionen, die zur Verdunkelung des Tatbestandes dienen sollen.
Segall schrieb diese Behauptung im Jahre 1911 in seiner Abfertigung meiner Arbeit, als ihn jede großstädtische Synagogengemeinde an der Hand der Steuern, der Eheschließungen, der Todesfälle belehren hätte können, (was er übrigens von jedem Kinde in der Grenadierstraße auch so erfahren haben würde). Wissenschaftlich hätte er sich an Hand der Zählkarten der Stadt Berlin der Tatsachen überführen können. Leichtfertig, wie Segall mit seinen wissenschaftlichen Behauptungen auftritt, fiel es ihm garnicht ein, irgendwelche Unterlagen für seine Thesen zu suchen.
[12] 1840: sogar 70%.
[13] 1840: sogar 58%.
[14] Nach Heinrich Löwe waren 1817 2/3 der preußischen Juden polnischer Abkunft, woraus die Bedeutung der Ostmark für die preußischen Juden klar hervorgeht.