| [25] | Ein soeben von Alfons Paquet erschienener Artikel (in Heft 40
Jahrg. 1915 des März) „Juden im Osten“ kommt zu denselben
Resultaten. Paquet schreibt:
„Das türkische Volk kümmert sich wenig um den Glauben anderer.
Es erkennt in den Juden die Orientalen, es weiß, daß jene, die aus dem
Westen kommen, zugleich Europäer sind, Träger eines praktischen Könnens,
das dem neuen türkischen Staatswesen Nutzen zu bringen vermag. Und das
eigentliche Palästina? Hat es nicht in den Jahren, die dem Versuch der
Wiederbesiedelung gewidmet waren, bewiesen, daß es wirklich das Land
ist, wo einmal der Wanderer sein Haupt hinlegen kann unter den Sternen
die den Erzvätern leuchteten, um auszuruhen und böse Spuren aus seinen
Zügen wischen?“
Sie brauchen eines zuerst: eine Zukunft, ein grünes Banner. In dem
von Menschen erfüllten Europa werden sie das wichtigste für ihre
Zukunft: — den Boden — nie erhalten, eher werden sie
die Träger irgend eines
unbestimmten Unheils sein. In allen Erdteilen, außer Vorderasien, fehlen
die Möglichkeiten einer Ansiedelung, die den Juden erlaubt, nach ihrer
höchst eigentümlichen Art zu leben und von dem geistigen Gut, nach dem
sie hungern, satt zu werden. Aber in dem einen kleinen Lande, das schon
begonnen hat, zu einem neuen Dasein zu erwachen, ist Raum und Tragkraft
genug, sie aufzunehmen. Josua und Kaleb sind von ihrer Kundschafterreise
zurückgekehrt mit schweren Trauben. Es kommt jetzt darauf an
die Fähigkeiten des Volkes, die bisher auf die Wüstenreise verwendet
wurden, zu wecken und neu zu gebrauchen. Schulen nach dem Vorbild
der deutschen Volksschulen, vielleicht mit einer Hochschule an der Spitze,
werden dazu helfen können. Einst werden dann diese Knaben die Mannschaft
eines neuen morgenländischen Wesens bilden, gleichviel, ob sie
Ingenieure oder Kaufleute, Handwerker, Ackerbauer oder Gelehrte werden,
gleichviel sogar, wie viele von ihnen in Europa bleiben und wie viele wirklich
im Morgenland wohnen. Sie können in einer neuen Heimat ein neues
Volk sein — nicht im Sinne jenes Nationalismus, der in Europa die Völker
zerreißt und schlägt, sondern in dem innerlich freien, nach außen duldsamen
Sinne der morgenländischen Weisen. „Der türkische Baum muß
sehr grün werden und auswachsen.“ „Wer in seinem Schatten wohnen
will, muß aber zuvor sein Gärtner sein.“ — — —
So denkt ein bekannter Orientkenner über die Judenfrage und das
Problem der Türkei.
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