Aus all dem mag hervorgehen, daß die Abnahme der Fruchtbarkeit bei den Berliner Juden eine evidente ist. Die verschiedentlichsten Methoden ergaben immer dasselbe Resultat. Und es ist wohl kaum diese enorme Unterproduktion auf irgendwelche zufällige Zu- oder Abwanderung, Infertilität usw. zurückzuführen. Im Gegenteil, gerade die ausländischen Juden, die schon knapp ein Fünftel der Berliner Juden betragen, verschleiern etwas den tiefen Stand der einheimischen Natalität.

Zusammenfassung: Die harmonische Entwicklung der jüdischen Fruchtbarkeit von der Fülle zur Armut, stellt sich also nicht als das Werk des Zufalls, sondern als die Anpassung an das Leben dar. Das Sexualleben des Menschen wird beeinflußt von dem Ideengehalt der Zeit, besonders aber von den wirtschaftlichen Verhältnissen, so daß man ruhig behaupten kann, daß es für große Massen auch in diesen Dingen keine Zufälligkeiten gibt.

Die Bedeutung des Wohlstandes ist an der Hand der Tafeln über Beruf und Geburtlichkeit deutlich gezeigt worden. Aber auch die Steuerstatistik zeigt uns den enormen Aufschwung der Juden. Für alle Berliner wird die Tatsache unbestritten sein, daß die wohlhabenden Juden nach Charlottenburg, Wilmersdorf, Schöneberg, Grunewald abströmen, daß gerade die reichsten sich taufen lassen oder ihre Töchter Christen verheiraten. Trotzdem hielten sich die Juden, d. h. der in Berlin bleibende Rest bzw. die Zugewanderten nicht nur auf der Höhe, sondern sie haben es fertig gebracht, die durchschnittlich pro Kopf versteuerte Summe von 317 M. (1892) auf 355 M. (1905) emporzubringen, bzw. nach 13 Jahren statt 6 Millionen Steuern 10 ½ Millionen beizutragen. Man wird gewiß die einzelnen Ziffern gerade wegen der großen Wanderungen sehr abwägen müssen — und es ist hier nicht der Raum, das Kapitel der Steuerkraft der Berliner Konfessionen abzuhandeln — aber nicht nur der Umstand, daß die Juden allein ihre Steuersumme zu heben verstanden, gibt zu bedenken.[26] Bei einer Bevölkerung von knapp 100000 Seelen hatten die Juden 29426 Steuerzahler, die über 1500 M. vereinnahmten. Und die Tatsache, daß in einer Rasse ⅓ aller Personen einschl. Frauen und Kinder usw. eine so hohe Steuer bezahlten, gibt uns das Recht zur Behauptung, daß die Berliner Juden exzeptionell wirtschaftlich rasch aufsteigen.

Die Katholiken waren 1905 222700 Personen stark, die Juden 98909. Unter den Steuerpflichtigen (über 21 M.) waren die Juden mit 29000 Zensiten, die Katholiken mit 14700 vertreten. Allerdings ist der verschiedentliche Bevölkerungsaufbau zu berücksichtigen. Trotzdem bleibt eine ungeheuere Differenz zwischen den Juden, von denen 30 % über 21 M. versteuerten, und den Katholiken, bei denen es 6,6 % waren.

Die Bedeutung des Wohlstandes und des Vorganges, daß an Stelle der nach den Vororten ziehenden reichen Juden ärmere Massen wirtschaftlich emporsteigen, findet eben einen Ausdruck in dem Bestreben, durch Hintanhaltung der Familie ökonomisch zu erstarken.

Es wird schwer halten, den Zusammenhang dieser Dinge abzuleugnen.

So wird es der nächsten Zeit vorbehalten sein, neue Gesetze, welche die Vermehrung einer Bevölkerung bedingen, auszufinden, da die alten, die Malthus und andere aufstellten, keine Erklärung für die neuen Bevölkerungsvorgänge mehr abgeben können. Das Beispiel der Berliner Juden wird aber nicht nur theoretisch eine gewisse Bedeutung haben, sondern vor allem auch praktisch durch den Hinweis darauf, daß die allgemeine Berliner Bevölkerung mit ihrer Unterfrüchtigkeit den Juden nachzog.

Wir kommen somit nach all dem Gesagten zu folgendem Schluß:

Unter unsern heutigen sozialen Verhältnissen bringt das materielle und soziale Aufsteigen bzw. der intensive Wunsch nach ökonomischen Mitteln und gesellschaftlicher Stellung den beteiligten Familien schwerste Gefahren in rassenhygienischer Bedeutung.