Im Felde, den 17. September 1917.
Sehr geehrter Herr Holzinger!
Als Abteilungsführer drängt es mich, Ihnen und Ihrer ganzen Familie anläßlich des Heldentodes Ihres Sohnes mein und der ganzen Abteilung aufrichtigstes und herzlichstes Beileid auszusprechen. Daß wir alle tiefbetrübt und erschüttert sind, brauche ich Ihnen nicht zu sagen. Wir alle hatten den so jäh aus unserer Mitte gerissenen Kameraden sehr gerne gehabt wegen seines offenen, bescheidenen, grundvornehmen, gemütvollen Wesens. Uns tröstet nur der Gedanke, daß er einen schönen Soldatentod gestorben ist. Die Abteilung wird den Verlust schwer verwinden. Ihr heldenmütiger Sohn hat durch seine mit ungewöhnlicher, todesverachtender Unerschrockenheit unternommenen Flüge an erster Stelle dazu beigetragen, der Abteilung den Ruf zu sichern, den sie jetzt genießt. Dafür gebührt ihm auch über das Grab hinaus unser unauslöschlicher Dank. Wie oft haben wir ihn bei der Ausübung seines mühevollen und so gefährlichen Dienstes bewundert, wenn es weder Maschinengewehren, noch Schrapnells, noch feindlichen Kampfeinsitzern gelang, ihn von seiner Aufgabe abzubringen und wie oft hat er so kühn dem Tode ins Auge geschaut ...
Wir haben unseren tapferen Kameraden mit seinem Flugzeugführer in einer Fülle von Blumen und jungem Birkengrün in der kleinen Ortskirche feierlich aufgebahrt. Zu seinen Häupten brannten Kerzen, Freiwillige hielten die Totenwache ...
Aus der Fülle der ergreifenden Worte, die anläßlich seiner Aufbahrung in Frankreich und an seinem Grabe ihm gewidmet wurden, mag hier die Grabrede des Fliegerleutnants Meyer, welcher die Flieger-Ersatzabteilung Fürth vertrat, zitiert werden. Sie klang aus in den Worten:
Trauernd stehen wir an der Bahre unseres lieben Kameraden Max Holzinger. Nie haben wir einen prächtigeren Menschen verloren, einen Flieger, dessen Tüchtigkeit und Schneid allgemein anerkannt wurde, einen Kameraden, geschätzt und geachtet von Jedem, der ihn näher kennen lernte. Nicht der Feind, dem er auf seinen Flügen so oft und kühn ins Auge blickte, hat ihn besiegt, sondern ein jäher und tückischer Zufall hat ihn seiner, ihm so lieb gewordenen Waffe entrissen, die seinen Tod aufrichtig bedauert und betrauert. So lege ich nun im Namen der Offiziere und Flugzeugführer der Flieger-Ersatzabteilung Fürth diesen Kranz an Deiner Bahre nieder als letzten Ehrengruß; schlafe wohl, Kamerad, ruhe sanft, Du hast Deine Pflicht bis zum letzten Atemzug erfüllt und starbst als Held!
Die freie schlagende Verbindung Salia in Würzburg widmete ihrem Mitgliede Ernst Müller, cand. med. aus Hannover, Sohn des Bankdirektors Siegfried Müller einen Nekrolog, der also beginnt:
»Die Bundesbrüder kennen seine Soldatenlaufbahn. Bei Ausbruch des Krieges Sanitätsgefreiter der Reserve, stellte er sich freiwillig zur Waffe, zieht als einer der ersten hinaus, so daß schon der erste unserer Berichte von seiner mit Mut und Kampfesfreude überstandenen Feuertaufe in der vordersten Sturmlinie erzählen kann. Von seinen Vorgesetzten anerkannt, ist er als der bestqualifizierte unter den ersten Auserwählten des Offizierskurses, der ihm hervorragende Eignung zuerkennt. Der junge Leutnant kehrt in den Schützengraben zurück. Nach den heißen Kämpfen bei Ban de Sapt, in deren Brennpunkt er kämpft, genügt die nun ruhigere Vogesenfront seinem Tatendrang nicht mehr. Er wird Flieger, seine Tapferkeit wird einzige Kühnheit: im Begriffe vom Beobachtungsfluge zum Kampffluge überzugehen, ereilt ihn das von manchem Freunde in steter Besorgnis befürchtete Fliegerschicksal, von schwindelnder Höhe, vollsten Lebensbewußtseins hinabzustürzen in das Nichts.
Wir haben leiden gelernt in diesem Kriege. Fast der zehnte Teil unseres Bundes, unsere Tüchtigsten, sanken vor dem Feinde. Aber dieser neue Schmerz zerwühlt unser Inneres mit bitterster Verzweiflung. Hier war ein Kühner, ein Reichbegabter, ein Charakter, ein Mann von Ueberzeugungstreue und ungebeugtem Nacken, ein lebendiger Geist, ein tiefes Gemüt — und all diese hervorragenden Eigenschaften schienen für ihn nur vorhanden zu sein, um sie restlos einzusetzen in den Dienst der Gemeinschaft.«