7. 9. 17.

... gestern morgen um 530, besser gestern Nacht, habe ich einen famosen Infanterieflug mitgemacht. Ich hatte ein anderes Flugzeug der Abteilung bei einem Patrouillenunternehmen der Infanterie zu schützen (bei Vauxaillon, im franz. Bericht vom 6. als gescheitert erwähnt; stimmt nicht ganz). Wir starteten in die Nacht hinein, schraubten uns nur wenig hoch. Mittels einer elektrischen Taschenlampe konnte ich nur die Höhe vom Höhenmesser ablesen. Schon in 100 m sah man in kurzen Abständen von einander Gaslaternen, so schien es, in der Luft. Das waren die mit Fallschirmen versehenen französischen Leuchtraketen. Die Front erscheint von oben als eine lange erleuchtete Straße. Dann flogen wir ran, etwa 1000 m hoch, die Maschine stark gedrückt und dabei mit großer Fahrt. Es war ein herrliches Flammenschauspiel. Man sah die feuernden Batterien, auch französischerseits die Einschläge der Geschosse und Minenwerfer. In stetigen Kurven, um nicht von der Erde aus durch die besonderen Abwehrmaschinengewehre getroffen zu werden, sausten wir über die Front. Obwohl wir bis auf 400 und 700 m herunter gingen, blieben wir durch starke Nebelschwaden dem Feinde verdeckt. Durch Blinksignale wurden wir von der Infanterie aus über den Ausgang des Unternehmens, das einige Gefangene einbrachte, verständigt. Wir selbst funkten an die Divisionen das Ergebnis weiter, außerdem hatten wir die ganze Gefechtslage zu überwachen, z. B. gegebenenfalls Sperrfeuer anzufordern und auf feindliche Batterien zu achten. Es war riesig eindrucksvoll. Um 7 Uhr waren wir wieder wohlbehalten im Hafen. Es ist dies mein vierter Feindflug. Im übrigen ist der Himmel stark bewölkt, und das bedeutet tödliche Langeweile. Tagelang beschäftigungslos zu sein, ist im Kriege wirklich entnervend.

Bei Laon, 8. 9. 17.

... Ich habe bis jetzt fünf Feindflüge, darunter einen sehr brenzligen. Wir hatten uns zu Joffre im Nebel verfranzt und wurden eklig unter Flaks genommen. Die Granaten dröhnten einem nur so um die Ohren, und die Schrapnells pfiffen. Durch einige Sturzflüge und Spiralen entwanden wir uns und kamen schweißbedeckt zu Hause an. Vorgestern habe ich einen herrlichen Nachtflug mitgemacht. Ich schützte ein anderes Flugzeug der Abteilung, das einem Patrouillenunternehmen der Infanterie zur Verbindung und Ueberwachung mitgegeben war. Du kannst Dir die Schönheit des Flammenspiels der feuernden Batterien und Minenwerfer, der Leuchtkugeln usw. von oben nicht vorstellen. Wir flogen bis 400 m in rasender Fahrt über die Gräben weg, ohne im Morgennebel von M.G.'s oder Fl. beschossen zu werden. Unsere Gegner, die franz. Spads, sind glücklicherweise ziemlich lausig. Wenn ihnen der erste Stoß nicht glückt, hauen sie wieder ab.

Drei Tage später, am 11. September 1917 erlitt Bettsak bei der Rückkehr von einem Erkundungsflug vor Laon einen tödlichen Absturz. Am 23. September fand seine Beisetzung auf dem jüdischen Friedhof der Berliner Gemeinde in Weißensee unter militärischen Ehren statt, zu welcher Feier Kameraden seiner Fliegerabteilung aus dem Felde erschienen, um ihm das letzte Geleite zu geben.

Ueber den Tod hinaus fanden seine Kameraden und Vorgesetzten noch Worte, die das Bild dieses schlichten, aber äußerst tapferen und wagemutigen Soldaten ins rechte Licht rücken; und so heißt es in dem Lebewohl, das ihm seine Bekannten zurufen in den Briefen, die die Eltern erhielten:

... als damaliger Ordonnanzoffizier beim Stabe des Res.-Inf.-Rgt. ... lernte ich Ihren Sohn als einen tapferen, wagemutigen, uns allen einen lieben Kameraden gewordenen Offizier kennen, dem wir alle ein treues Andenken bewahren werden.

Dr. Julian Reis.

... genau so wie wenn unser Heinz noch heute mit mir plaudert. Menschen, die so ausgeprägte Persönlichkeiten waren und mit denen man so gut Kamerad war, können einem nie ganz genommen werden.

Fliegerobltn. Hans Bergner.