»Du bist so klug, bist seine Beraterin, die Vertraute seiner geheimsten Gedanken.«
»Das eben wird ihm lästig. Und« – sie ergriff wieder seinen Arm – »merke wohl: sie ist eine Königstochter! eine geborne Herrscherin, ich des Löwenwärters plebejisch Kind. Und – so wahnwitzig lächerlich es ist! – Justinian vergißt im Purpurmantel, daß er des dardanischen Ziegenhirten Sohn. Er hat den Wahnsinn der Könige geerbt, er, selbst ein Abenteurer: er faselt von angeborner Majestät, von dem Mysterium königlichen Bluts. Gegen solche Grillen hab’ ich keinen Schutz: von allen Weibern der Erde fürchte ich nichts: aber diese Königstochter – –«
Sie sprang zürnend auf und ballte die kleine Hand.
»Hüte dich, Justinian!« sagte sie durchs Gemach schreitend. »Theodora hat mit diesem Auge, mit dieser Hand Löwen und Tiger bezaubert und beherrscht: laß sehen, ob ich nicht diesen Fuchs im Purpur in Treue erhalten kann.« Sie setzte sich wieder.
»Kurz, Amalaswintha stirbt,« sagte sie, plötzlich wieder kalt geworden.
»Wohl,« erwiderte der Rhetor, »aber nicht durch mich. [pg 254]Du hast der blutgewohnten Diener genug. Sie sende; ich bin ein Mann der Rede. –«
»Du bist ein Mann des Todes, wenn du nicht gehorchst. Gerade du, mein Feind, mußt es thun: keiner meiner Freunde kann es ohne Verdacht.«
»Theodora,« mahnte der Rhetor sich vergessend, »die Tochter des großen Theoderich ermorden, eine geborne Königin – –«
»Ha,« lachte Theodora grimmig, »auch dich Armseligen blendet die geborne Königin. Narren sind die Männer alle, noch mehr als Schurken! Höre, Petros, an dem Tage, da die Todesnachricht aus Ravenna eintrifft, bist du Senator und Patricius.«
Wohl blitzte des Alten Auge. Aber Feigheit oder Gewissensangst war doch mächtiger als der Ehrgeiz. »Nein,« sagte er entschlossen, »lieber lasse ich den Hof und alle Pläne.«