»Die Rache!« erwiderte eine heisere, unschöne Stimme und die Gotin trat dicht an ihn heran. Sie zeigte scharfe, aber nicht häßliche Züge, und man hätte sie sogar schön nennen müssen, wenn nicht das linke Auge ausgeflossen und die ganze linke Wange durch eine große Narbe entstellt gewesen wäre: diese Wunde schien jetzt frisch zu bluten, da dem leidenschaftlichen Weibe die Röte in die Wangen schoß, wie sie bei jenem Wort die Faust ballte. [pg 294]So tödlicher Haß loderte aus dem einen grauen Auge, daß Cethegus unwillkürlich von ihr zurücktrat.

»Rache?« fragte er, »an wem?«

»An – davon später. Vergieb,« sagte sie, sich fassend, »daß ich euch störe.

Dein Freund Petros, der Rhetor von Byzanz, ist bei dir, nicht wahr?«

»Ja. Woher weißt du –«

»O, ich sah ihn vor der Coena durch deine Portikus eintreten,« sagte sie gleichgültig.

»Das ist nicht wahr,« sprach Cethegus im Geiste: »ich hab’ ihn ja zur Gartenthür hereinführen lassen. Also haben sich die beiden hier zusammenbestellt. Ich soll das nicht ahnen. Aber was haben sie mit mir vor?«

»Ich will dich nicht lange hier festhalten,« fuhr Gothelindis fort. »Ich habe nur Eine Frage an dich. Antworte kurz ja oder nein. Ich kann das Weib – die Tochter Theoderichs – stürzen und ich will’s: bist du darin für mich oder gegen mich?«

»O, Freund Petros,« dachte der Präfekt, »jetzt weiß ich bereits, was du mit Amalaswinthen vorhast. Aber wir wollen sehen, wie weit ihr schon seid.«

»Gothelindis,« hob er ausholend an, »du willst die Regentin stürzen – das glaub’ ich dir gern – aber daß du’s kannst, bezweifle ich.«