»Nein, nur eine Frage.«
»Welche Frage?«
»Königin,« hob der Alte feierlich an, »ich habe deinem Vater und dir dreißig Jahre lang gedient, treu und eifrig, ein Römer den Barbaren, weil ich eure Tugenden ehrte und weil ich glaubte, Italien, der Freiheit nicht mehr fähig, sei unter eurer Herrschaft am sichersten geborgen: denn eure Herrschaft war gerecht und mild. Ich habe fort gedient, obwohl ich meiner Freunde, Boëthius und Symmachus, Blut fließen sah, wie ich glaube, unschuldig Blut: aber sie starben durch offnes Gericht, nicht durch Mord. Ich mußte deinen Vater ehren, auch wo ich ihn nicht loben konnte. Jetzt aber –«
»Nun, jetzt aber?« fragte die Königin stolz.
»Jetzt komme ich, von meiner vieljährigen Freundin, ich darf sagen, meiner Schülerin –«
»Du darfst es sagen,« sprach Amalaswintha weicher.
»Von des großen Theoderich edler Tochter ein einfach schlichtes Wort, ein Ja zu erbitten. Kannst du dies Ja sprechen – ich flehe zu Gott, daß du es könnest – so will ich dir dienen treu wie je, solang es dieses greise Haupt vermag.«
»Und kann ich’s nicht?«
»Und könntest du es nicht, o Königin,« rief der Alte schmerzlich, »o dann Lebewohl dir und meiner letzten Freude an dieser Welt.«
»Und was hast du zu fragen?«