»Amalaswintha, du weißt ich war fern an der Nordgrenze des Reichs, als hier der Aufstand losbrach, als jene furchtbare Kunde, jene furchtbare Anklage sich erhob. Ich glaubte nichts – ich flog hierher von Tridentum. – Seit zwei Tagen bin ich hier und keine Stunde vergeht, keinen Goten spreche ich, ohne daß die schwere Klage mir schwerer aufs Herz fällt. Und auch du bist verwandelt, ungleich, unstet, unruhig – und doch will ich’s nicht glauben. – Ein treues Wort von dir soll all’ diese Nebel zerstreuen.«

»Wozu die vielen Reden,« rief sie, auf die Armlehne des Thrones sich stützend, »sage kurz, was hast du zu fragen?«

»Sprich nur ein schlichtes Ja: bist du schuldlos an dem Tode der drei Herzoge?«

»Und wenn ich es nicht wäre, – haben sie nicht reichlich den Tod verdient?«

»Amalaswintha, ich bitte dich: sage ja.«

»Du nimmst ja auf einmal großen Anteil an den gotischen Rebellen!«

»Ich beschwöre dich,« rief der Greis auf die Kniee fallend, »Tochter Theoderichs, sage ja, wenn du kannst.«

»Steh auf,« sprach sie finster sich abwendend, »du hast kein Recht, so zu fragen.«

»Nein,« sagte der Alte ruhig aufstehend, »nein, jetzt nicht mehr. Denn von diesem Augenblick an gehör’ ich der Welt nicht mehr an.«

»Cassiodor!« rief die Königin erschrocken.