»Geht jetzt,« sprach sie zu den Männern, »laßt mich allein mit ihm.«
Teja wandte sich zum Ausgang, Hildebrand zögerte.
»Geh nur, ich gelobe es dir:« sprach sie, die Hand auf [pg 160]die Marmorurne legend, »bei der Asche meines Kindes: mit Sonnenaufgang ist er frei.«
»Nein,« sprach Witichis, »ich stoße mein Weib nicht von mir, nie.«
»Das sollst du nicht. Nicht du vertreibst mich: ich wende mich von dir. Rauthgundis geht, ihr Volk zu retten und ihres Gatten Ehre. Du kannst dein Herz nie von mir lösen: ich weiß es, es bleibt mein, seit heute mehr denn je. Geht, was jetzo zwischen uns beiden zu leben ist, trägt keinen Zeugen.«
Schweigend verließen die Männer das Zelt, schweigend gingen sie miteinander die Lagergasse hinab, an der Ecke hielt der Alte.
»Gut Nacht, Teja,« sagte er, »jetzt ist’s gethan.«
»Ja, doch wer weiß, ob wohlgethan. Ein edles, edles Opfer: noch viele andre werden folgen und mir ist: dort in den Sternen steht geschrieben: umsonst. Doch gilt’s die Ehre noch, wenn nicht den Sieg. Lebwohl.«
Und er schlug den dunkeln Mantel um die Schulter und verschwand wie ein Schatten in der Nacht.