»Soll dein Herr von seinem Reich entlaufen, wie ein schlechter Sklave aus der Mühle? Leb wohl Witichis, hier nimm die Kapsel mit dem blauen Band: des Kindes Stirnlocken sind darin und eine,« flüsterte sie, ihn auf die Stirn küssend und das Medaillon umhängend, »und eine von Rauthgundis. Leb wohl, du mein Leben!«

Er richtete sich auf, ihr ins Auge zu sehen.

Da trieb sie das Pferd an: »Vorwärts, Wallada,« und sprengte hinweg: Wachis folgte im Galopp, Witichis stand regungslos und sah ihr nach.

Da hielt sie, ehe die Straße sich ins Gehölz krümmte: – nochmal winkte sie mit der Hand und war gleich darauf verschwunden.

Witichis lauschte wie im Traum auf die Hufschläge der eilenden Rosse. Erst als diese verhallt, wandte er sich.

Aber es ließ ihn nicht von der Stelle.

Er trat seitab der Straße: dort lag jenseit des Grabens ein großer moosiger Felsblock: darauf setzte sich der König der Goten, und stützte die Arme auf die Knie, das Haupt in beide Hände. Fest drückte er die Finger vor die Augen, die Welt und alles draußen auszuschließen von seinem Schmerz.

Thränen drangen durch die Hände, er achtete es nicht. Reiter sprengten vorüber, er hörte es kaum. So saß er stundenlang regungslos, so daß die Vögel des Waldes bis dicht an ihn heran spielten.

Schon stand die Sonne im Mittag.

Endlich – hörte er seinen Namen nennen. Er sah auf: Teja stand vor ihm.