Es dämmerte draußen: im Gemach hatte Aspa die Flamme in der veilchendunkeln Schale entzündet und war nur noch beschäftigt, hier und da eine Falte zu glätten, indes sie eine römische Sklavin anwies, in den Silberkrügen auf dem Bronzekredenztisch den Palmwein mit Schnee zu kühlen, eine andre, das Gemach mit Balsam zu durchsprengen.

»Reichlicher die Narden, reichlicher die Myrrhen gesprengt! So!« rief Aspa, eine volle Libation über das Lager spritzend.

»Laß ab,« mahnte die Römerin, »es ist zu viel! Schon der Duft der Blumen betäubt: die Rose und das Geißblatt berauschen fast die Sinne: mir würde schwindeln hier.«

»Ah,« lachte Aspa, »wie singt der Dichter: »Nüchternen nimmer nahet das Glück: nur in seligem Rausche.« Laß uns jetzt das Fenster schließen.« – »Nur ein wenig noch laß mich lauschen,« bat eine dritte junge Sklavin, die dort lehnte. »Es ist zu schön! Komm, Frithilo,« sprach sie zu einer gotischen Magd, die neben ihr stand, »du kennst ja all die stolzen Männer und Frauen: sage, wer ist der zur Linken der Königin mit dem goldnen Schuppenpanzer? er trinkt dem König zu.« – »Herzog Guntharis von Tuscien, der Wölsung. Sein Bruder, Graf Arahad von Asta ... – wo mag der sein zu dieser Stunde?«

»Und der Alte neben dem König, mit dem grauen Bart?«

»Das ist der Graf Grippa, der die Goten in Ravenna befehligt. Er spricht die Fürstin an. Wie sie lacht und errötet! Nie war sie so schön.« – »Ja, aber auch der Bräutigam – welch herrlicher Mann! Der Kopf des Mars, der Nacken des Neptun. Aber er sieht nicht fröhlich: – vorhin starrte er lange sprachlos in seinen Becher [pg 181]und furchte die Stirn: – die Königin sah es: – bis der alte Hildebrand, gegenüber, ihm zurief. Da sah er seufzend auf. Was hat der Mann zu seufzen? neben diesem Götterweib.«

»Nun,« sprach die Gotin, »er hat dann doch nicht ein ganz steinern Herz. Er denkt dann vielleicht an die, die sein rechtes Weib vor Gott und Menschen, die er verstoßen.«

»Was? wie? was sagst du? riefen die drei Sklavinnen zugleich. Aber urplötzlich fuhr Aspa zwischen die Mädchen: »Willst du wohl schweigen mit dem dummen Gerede, Barbarin! Mach, daß du fortkommst! Ein solches Wort: – eine Silbe, daß es die Königin hört und du sollst der Afrikanerin gedenken.«

Frithilo wollte erwidern. »Still,« rief eine der Römerinnen. »Die Königin bricht auf.« – »Sie wird hier herauf kommen.« – »Der König bleibt noch.« – »Nur die Frauen folgen ihr.« – »Sie geben ihr das Geleit bis hierher,« sprach Aspa. »Gleich kann sie hier sein: bereitet euch, sie zu empfangen.«

Bald nahte der Zug, von Fackelträgern und Flötenbläsern eröffnet. Darauf eine Auswahl der gotischen Edelfrauen: neben Mataswintha, der Braut oder jungen Frau, schritt Theudigotho, die Gattin Herzogs Guntharis, und Hildiko, die Tochter Grippas. Die vornehmen Frauen von Ravenna schlossen den Zug.