»Ich habe es nun einmal auf die Magistri Militum. Ich möchte denselben Speer auch an Belisar erproben. Nimm mir, nur für heute, das Banner ab und laß mich den Magister Belisar aufsuchen. Sein Roß, der Rotscheck Phalion oder Balian, wird so sehr gerühmt: und mein Hengst wird steif. Und du kennst das alte gotische Reiterrecht: »wirf den Reiter und nimm sein Roß«.«

»Gut gotisch Recht!« raunte der alte Hildebrand.

»Ich muß die Bitte gewähren,« sprach Witichis, das Banner aus der Hand Wisands nehmend. Dieser sprengte eilig hinweg. »Guntharis ist nicht zur Stelle, so trage du es heute, Totila.«

»Herr König,« entgegnete dieser, »ich kann’s nicht tragen, wenn ich meinen Reitern den Weg in die Feinde zeigen soll.« Witichis winkte Teja.

»Vergieb,« sagte dieser: »heut’ denk’ ich beide Arme [pg 226]sehr zu brauchen.« – »Nun, Hildebad.« – »Danke für die Ehre: ich hab’s nicht schlechter vor als die andern!« »Wie,« sagte Witichis, fast zürnend, »muß ich mein eigner Bannerträger sein, will keiner meiner Freunde mein Vertrauen ehren?«

»So gieb mir die Fahne Theoderichs,« sprach der alte Hildebrand, den mächtigen Schaft ergreifend. »Mich lüstet weitern Kampfes nicht so sehr. Aber mich freut’s, wie die Jungen nach Ruhme dürsten. Gieb mir das Banner, ich will’s heute wahren wie vor vierzig Sommern.« Und er ritt sofort an des Königs rechte Seite.

»Der Feinde Fußvolk rückt den Berg hinan,« sprach Witichis, sich im Sattel hebend. »Es sind Hunnen und Armenier,« sagte Teja, mit seinem Falkenauge spähend, »ich erkenne die hohen Schilde!« Und den Rappen vorwärts spornend rief er: »Ambazuch führte sie, der eidbrüchige Brandmörder von Petra.«

»Vorwärts, Totila,« sprach der König, »und aus diesen Scharen – – keine Gefangnen.«

Rasch sprengte Totila zu seinen Reitern, die hart an der Mündung der aufsteigenden Straße auf der Höhe aufgestellt waren. Mit scharfem Blick musterte er die Bewaffnung der Armenier, die in tiefen Kolonnen langsam bergauf rückten. Sie trugen schwere, mannshohe Schilde und kurze Speere zu Stoß und Wurf.

»Sie dürfen nicht zum Werfen kommen,« rief er seinen Reitern zu. Er ließ sie die leichten Schilde auf den Rücken binden und befahl, im Augenblick des Anpralls die langen Lanzen, statt, wie üblich, in der Rechten, in der Linken, der Zügelhand, zu führen, den Zügel einfach um das Handgelenk geschlungen und über die Mähne weg die Lanze aus der rechten in die linke Faust werfend. Dadurch trafen sie auf die rechte, vom Schild nicht gedeckte Seite [pg 227]der Feinde. »Sowie der Stoß angeprallt – sie werden ihm nicht stehen! – werft die Lanze im Armriem zurück, zieht das Schwert und haut nieder, was noch steht.«