Zweifelnd sah Constantinus auf Cethegus. »Possen:« sagte dieser, »der einzige Angriff droht an meinem Thore von Sankt Paul: und das ist gut gehütet: ich weiß es gewiß: laß Bessas sagen: er fürchte sich zu früh. Übrigens, im Vivarium habe ich noch sechs Löwen, zehn Tiger und zwölf Bären für mein nächstes Cirkusfest! Laßt sie einstweilen los auf die Barbaren! Es ist auch ein Schauspiel für die Römer dann!«

Aber schon eilte ein Leibwächter den Mons Pincius herab: »Zu Hilfe, Herr, zu Hilfe! Constantinus, dein eignes, das flaminische Thor! Unzählige Barbaren! Ursicinus bittet um Hilfe!«

»Auch dort?« fragte sich Cethegus ungläubig.

»Hilfe an die gebrochene Mauer! zwischen dem flaminischen und dem pincianischen Thor!« rief ein zweiter Bote des Ursicinus.

»Diese Strecke braucht ihr nicht zu decken! Ihr wißt, sie steht unter Sankt Peters besonderem Schutz: das reicht!« sprach beruhigend Constantinus. Cethegus lächelte: »Ja, heute gewiß: denn sie wird gar nicht angegriffen.«

Da jagte Marcus Licinius atemlos heran. »Präfekt, rasch aufs Kapitol, von wo ich eben komme. Alle sieben Lager der Feinde speien Barbaren zugleich aus allen [pg 270]Lagerpforten: es droht ein allgemeiner Sturm gegen alle Thore Roms.«

»Schwerlich!« lächelte Cethegus. »Aber ich will hinauf. Du aber, Marcus Licinius, stehst mir ein für das tiburtiner Thor. Mein muß es sein, nicht Belisars! Fort mit dir! Führe deine zweihundert Legionare dorthin!«

Er stieg zu Pferd und ritt zunächst gegen das Kapitol zu, um den Fuß des Viminal. Hier traf er auf Lucius Licinius und seine Isaurier. »Feldherr,« sprach ihn dieser an, »es wird Ernst da draußen. Sehr Ernst! Was ist’s mit den Isauriern? Bleibt es bei deinem Befehl?«

»Habe ich ihn zurückgenommen?« sagte Cethegus streng. »Lucius, du folgst mir und ihr andern Tribunen. Ihr Isaurier rückt unter eurem Häuptling Asgares zwischen die Thermen des Diokletian und das tiburtiner Thor.«

Er glaubte an keine Gefahr für Rom. Meinte er doch zu wissen, was allein in diesem Augenblick die Goten wirklich beschäftigte. «Dieser Schein eines allgemeinen Angriffs soll,« dachte er, »die Byzantiner nur abhalten, ihres bedrohten Feldherrn vor den Thoren zu gedenken.«