»Wehe, wehe,« schrie er so überlaut, daß es seinem Herrn auffiel, der des Mauren kluge Ruhe kannte, »welch’ ein Unglück!« – »Was ist geschehen?« – »Constantinus ist schwer verwundet. Er wollte einen Ausfall führen aus dem salarischen Thor und stieß sogleich auf die gotischen Sturmreihen. Ein Schleuderstein traf sein Gesicht. Mit Mühe rettete man ihn auf den Wall. Dort fing ich den Sinkenden auf: – er ernannte den Präfekten zu seinem Vertreter. Hier ist sein Feldherrnstab.«

»Das ist nicht möglich!« schrie Bessas, der auf Syphax’ Ferse folgte. Er hatte in Person selbst neue Verstärkungen [pg 275]verlangen wollen und kam eben recht, die Nachricht zu hören. »Oder er war schon sinnlos als er’s that.«

»Hätte er dich bestellt, jedenfalls,« sprach Cethegus, ruhig das Scepter ergreifend und dem schlauen Sklaven mit einem raschen Wink des Auges dankend. Mit einem wütenden Blicke sprang Bessas von der Brüstung und eilte davon. »Folg’ ihm, Syphax, und beacht’ ihn wohl,« flüsterte der Präfekt.

Da eilte ein isaurischer Söldner herbei: »Verstärkung, Präfekt, ans portuensische Thor. Herzog Guntharis hat zahllose Leitern angelegt.« Da sprengte Cabao, der Führer der maurischen berittnen Schützen heran: »Constantinus ist tot. Vertritt du Constantinus.«

»Belisar vertret’ ich,« sprach Cethegus stolz: »fünfhundert Armenier ziehet ab vom appischen und schickt sie ans portuensische Thor.«

»Hilfe, Hilfe ans appische Thor! alle Verteidiger auf den Zinnen sind erschossen!« meldete ein persischer Reiter, »die Vorschanze ist halb verloren: vielleicht ist sie noch zu halten: aber schwer! Aber unmöglich wär’s, sie wieder zu nehmen!«

Cethegus winkte seinem jungen Juriskonsulten, Salvius Julianus, jetzt seinem Kriegstribun: »Auf, mein Jurist: »beati possidentes«! – Nimm hundert Legionare und halte die Schanze um jeden Preis, bis weitere Hilfe kommt.« –

Und er sah von der Mauerkrone wieder hinab. Unter seinen Füßen tobte das Gefecht, donnerte der Mauerbrecher Hildebrands. Aber ihn kümmerte mehr die rätselhafte Ruhe, in welcher der König im Hintergrund unbeweglich stand. »Was hat er nur vor?«

Da dröhnte von unten ein furchtbar krachender Stoß [pg 276]und lauter Siegesjubel der Barbaren: Cethegus brauchte nicht zu fragen: in drei Sprüngen war er unten. –

»Das Thor ist eingestoßen!« riefen ihm entsetzt die Seinigen entgegen. »Ich weiß es: jetzt sind wir selbst der Riegel Roms.« Und den Schild fester andrückend, trat er hart an den rechten Thorflügel, in dem in der That ein breiter Riß klaffte; und schon stieß der Widder an die splitternden Platten neben der Öffnung. »Noch ein solcher Stoß und das Thor liegt ganz,« sagte Gregor, der Byzantiner. »Richtig, deshalb darf es nicht mehr dazu kommen. Her zu mir, Gregor und Lucius: stellt euch, Milites! die Speere gefällt! Fackeln und Brände! zum Ausfall! Winke ich, so öffnet das Thor und werft Widder und Schirmdach und alles in den Graben.«