»Danke, danke dir, Schlangengott!« jubelte der Sklave, »jetzt ist der Mann gerettet. Und auch du selbst. Und ich, ich, Herr, habe dich gerettet.« Und er warf sich mit gekreuzten Armen nieder und küßte das Lagergestell seines Herrn. – Er wagte nicht, dessen Füße zu berühren. »Du mich gerettet? – Wodurch?«

»Als ich dich so totesbleich auf diese Decken gelegt, habe ich den Schlangengott herbeigeholt, dich ihm gezeigt und gesprochen: »Du siehst, starker Gott, des Herrn Augen sind geschlossen. Hilf, daß er sie wieder aufschlägt. Bis du geholfen, erhältst du keine Krume Brot und keinen Tropfen Milch. Und wenn er die Augen nicht wieder aufschlägt – an dem Tage, da sie ihn verbrennen, verbrennt Syphax mit: aber du, o großer Schlangengott, desgleichen. Du kannst helfen: also hilf: oder brenne.« So sprach ich, und er hat geholfen.«

»Die Stadt ist sicher – das fühl’ ich, sonst hätte ich nicht entschlafen können. Lebt Belisar? Ja! wo ist Prokop?«

»In der Bibliothek mit deinen Tribunen. Sie erwarten nach des Arztes Ausspruch noch heute dein Erwachen oder deinen ... –« – »Tod? Diesmal hat dein Gott noch geholfen, Syphax. Laß die Tribunen ein.«

Bald standen die Licinier, Piso, Salvius Julianus und einige andere vor ihm; sie wollten bewegt an sein Lager eilen: er winkte ihnen Ruhe zu. »Rom dankt euch, durch mich. Ihr habt gefochten wie – wie Römer. Mehr, Stolzeres kann ich euch nicht sagen.« Und er übersah wie [pg 292]nachsinnend die Reihe, dann sagte er: »Einer fehlt mir – ah mein Korinther! Die Leiche ist gerettet. Denn ich empfahl sie Piso, sie und die beiden Letoiden; setzt ihm als Denkmal eine schwarze Platte von korinthischem Marmor an die Stelle, wo er fiel: stellt die Statue des Apollo über die Aschenurne und schreibt darauf: »Kallistratos von Korinth ist hier für Rom gestorben; er hat den Gott, der Gott nicht ihn gerettet.« Jetzt geht, bald sehen wir uns wieder – auf den Wällen. Syphax, nun sende mir Prokop. Und bring einen großen Becher Falernerwein.« »Freund,« rief er dem eintretenden Prokopius entgegen, »mir ist, ich habe vor diesem Fieberschlaf noch flüstern hören: »Prokop hat den großen Belisar gerettet.« Ein unsterblich Verdienst! Die ganze Nachwelt wird dir’s danken – so brauch’ ich’s nicht zu thun. Setze dich hierher und erzähle mir das Ganze ... – Aber halt: erst schiebe die Kissen zurecht, daß ich meinen Cäsar wieder sehen kann. Sein Anblick stärkt mehr als Arzneien. Nun sprich.«

Prokopius sah den Liegenden durchdringend an.

»Cethegus,« sagte er dann, ernsten Tones, »Belisar weiß alles.« »Alles?« lächelte der Präfekt, »das ist viel.« – »Laß den Spott und versage Bewunderung nicht dem Edelsinn: du, der du selber edel bist.« – »Ich? Nicht daß ich wüßte.« – »Sowie er zum Bewußtsein kam, hat ihm Bessas natürlich sofort alles mitgeteilt: hat ihm haarklein erzählt, wie du befohlen, das Thor gesperrt zu halten, als Belisar in seinem Blute davor lag, den wütigen Teja auf den Fersen: daß du befohlen, seine Leibwächter niederzuhauen, die mit Gewalt öffnen wollten: jedes Wort von dir hat er berichtet, auch deinen Ausruf: »Erst Rom, dann Belisar«: und hat deinen Kopf verlangt im Rat der Feldherren. Ich erbebte. Aber Belisarius [pg 293]sprach: »er hat recht gethan! hier, Prokop, bring ihm mein eigen Schwert und die ganze Rüstung, die ich an jenem Tage trug, zum Dank.« Und in dem Bericht an den Kaiser hat er mir die Worte diktiert: »Cethegus hat Rom gerettet und nur Cethegus! Schick’ ihm den Patriciat von Byzanz!««

»Ich danke: ich habe Rom nicht für Byzanz gerettet.« – »Das brauchst du mir nicht erst zu sagen, unattischer Römer.«

»Ich bin nicht in attischer Laune, Lebensretter! Was war dein Dank?«

»Still. Er weiß nichts davon. Und soll es nie erfahren.«