»Er hat nicht unrecht,« meinte Belisar, in dem die Kampflust erwachte. – »Aber es ist finstre Nacht. – –«

»Im Finstern find’ ich den Weg zum Sieg und in das Herz von Ravenna. Auch leuchten die Blitze.«

»Du bist ja plötzlich sehr kampfeseifrig,« zögerte Belisar.

»Ja, denn jetzt hat’s Vernunft zu kämpfen. Die Barbaren sind verblüfft.

Sie fürchten Gott und vergessen darüber ihrer Feinde.«

Im gleichen Augenblick eilten Prokop und Marcus Licinius in das Zelt. »Belisar,« meldete der erste, »der Erdstoß hat deine Zelte am Nordgraben umgestürzt und eine halbe Kohorte Illyrier darunter begraben!« – »Hilfe, Hilfe! meine armen Leute!« rief Belisar und eilte aus dem Zelte. »Cethegus,« berichtete Marcus, »auch eine Kohorte deiner Isaurier liegt unter ihren Zelten verschüttet.« Aber ungeduldig, den Helm schüttelnd, frug der Präfekt: »was ist mit dem Wasser in dem gotischen Graben vor dem Aëtiusturm? hat der Erdspalt es nicht verringert?« – »Ja, das Wasser ist verschwunden – der Graben ist ganz trocken. Horch, das Wehegeschrei! Deine Isaurier sind’s: sie stöhnen und wimmern unter der Verschüttung und schreien um Hilfe.«

»Laß sie schreien!« sprach Cethegus. – »Der Graben ist wirklich trocken? So laß zum Sturm blasen. Folge mir mit allen Söldnern, die noch leben.«

Und unter Blitz und Donner, die jetzt wieder unaufhörlich rasten, eilte der Präfekt zu seinen Schanzen, wo seine römischen Legionare und der Rest der Isaurier unter Waffen standen. Rasch übersah er sie: es waren viel zu wenige, um mit ihnen allein die Stadt zu nehmen. Aber er wußte, daß ein günstiger Erfolg alsbald Belisar mit fortreißen würde. »Lichter, Fackeln her!« rief er und trat mit einer Pechfackel in der Linken vor die Fronte seiner römischen Legionare. »Vorwärts,« befahl er, »die Schwerter heraus!«

Aber kein Arm rührte sich.

Sprachlos vor Staunen und mit Grauen blickten alle, auch die Führer, auch die Licinier, auf den dämonischen Mann, der im Aufruhr der ganzen Natur nur an sein Ziel dachte und die Elemente, die Schrecken Gottes, nur als Mittel ansah zu seinem Zweck.