Unmerklich zuckte Cethegus zusammen. Sollte ein solcher Blitzstrahl aus heiterer Luft, eine Laune des unberechenbaren Despoten, nach solchen Mühen, das fast vollendete Gebäude seiner Pläne gerade vor der Bekrönung niederwerfen?

Aber Belisar fragte mit leuchtenden Augen: »mein Kaiser? Woher weißt du?« – »Er selbst kommt, dir für deine Siege zu danken. – Solche Ehre ward noch keinem Sterblichen zu teil. Das Schiff von Ariminum trägt die kaiserliche Präsenzflagge. Purpur und Silber. Du weißt, das bedeutet, daß der Kaiser an Bord.«

»Oder ein Glied seines Hauses!« verbesserte Cethegus in Gedanken, aufatmend.

»Eilt in den Hafen, unsern Herrn zu empfangen,« mahnte Belisar.


Sein Stolz und seine Freude wurden enttäuscht, als ihnen auf dem Wege nach Classis die ersten ausgeschifften Höflinge begegneten und im Palast Quartier forderten, nicht für den Kaiser selbst, sondern für dessen Neffen, den Prinzen Germanus.

»So sendet er doch den ersten nach ihm selbst,« sprach Belisar, sich selber tröstend im Weitergehen zu Cethegus. »Germanus ist der edelste Mann am Hof. Unbestechlich, gerecht und unverführbar rein. Sie nennen ihn: »die Lilie im Sumpf«. Aber du hörst mich nicht!«

»Vergieb, ich bemerke dort im Gedränge, unter den eben Gelandeten, meinen jungen Freund Licinius.«

»Salve Cethege!« rief dieser, sich Weg zum Präfekten bahnend.

»Willkommen im befreiten Italien! Was bringst du von der Kaiserin?« fragte er flüsternd.