»Was liegt hier? – Knochen – ein Skelett!

Ich halt’s nicht länger aus! der Modergeruch erstickt mich! Hilfe!« seufzte einer der Männer.

»Laßt ihn liegen! vorwärts!« befahl Johannes. »Ich sehe einen Stern.« – »Das ist das Tageslicht in Neapolis,« sagte der Jude – »nun nur noch wenige Ellen.« –

Johannes’ Helm stieß an die Wurzeln eines hohen Ölbaums, die sich im Atrium des Tempelhauses breit über die Mündung des Tempelgangs spannten.

Wir kennen den Baum.

Den Wurzeln ausweichend, stieß er den Helm hell klirrend an die Seitenwand: erschrocken hielt er an. Aber er hörte zunächst nur den heftigen Flügelschlag zahlreicher Tauben, die da hoch oben wild verscheucht aus den Zweigen der Olive flogen.

»Was war das?« fragte über ihm eine heisere Stimme.

»Wie der Wind in dem alten Gestein wühlt!« Es war die Witwe Arria. »Ach Gott,« sprach sie, sich wieder vor dem Kreuze niederwerfend: »erlöse uns von dem Übel und laß die Stadt nicht untergehen, bis daß mein Jucundus wieder kommt! Wehe, wenn er ihre Spur und seine Mutter nicht mehr findet. O laß ihn wieder des Weges kommen, den er von mir gegangen: zeig ihn mir wieder, wie ich ihn diese Nacht gesehen, aufsteigend aus den Wurzeln des Baumes.«

Und sie wandte sich nach der Höhlung. »O! dunkler Gang, darin mein Glück verschwunden, gieb mir’s wieder heraus! Gott, führ’ ihn mir zurück auf diesem Wege.« Sie stand mit gefalteten Händen gerade vor der Höhlung, die Augen fromm gen Himmel gewendet.

Johannes stutzte. »Sie betet!« sagte er, »soll ich sie im Gebet erschlagen?« – Er hielt inne; er hoffte, sie solle aufhören und sich wenden. »Das dauert zu lange: ich kann unserm Herrgott nicht helfen!« Und rasch hob er sich aus den Wurzeln heraus. Da schaute die Betende mit den halberblindeten Augen nieder; sie sah aus der Erde steigen eine schimmernde Mannesgestalt.