Dicht hinter ihren Schultern kniete ein junges Mädchen in maurischer Sklaventracht, eifrig beschäftigt, einen Kranz fertig zu flechten, an welchem nur die letzten Verbindungen fehlten: sorgsam spähte die anmutfeine Kleine manchmal, ob die Träumende ihre heimliche Arbeit nicht gewahre.

Aber diese schien ganz in ihre Phantasien verloren.

Endlich war der zierliche Kranz vollendet: mit lachenden Augen drückte sie ihn auf das prachtvolle feuerfarbne Haar der Herrin und bog sich um ihre Schulter, deren Blick zu suchen. Aber diese hatte gar nicht bemerkt, wie die Blumen ihr Haupt berührten. Da ward die Kleine unwillig und rief mit schmollend aufgeworfnen Lippen: »Aber Herrin, bei den Palmenwipfeln des Auras, was denkest du wieder? Bei wem bist du?«

Mataswintha schlug die leuchtenden Augen auf: »Bei ihm!« flüsterte sie.

»Weiße Göttin, das trag’ ich nicht mehr!« rief die Kleine aufspringend, »es ist zu arg, die Eifersucht bringt mich um! Nicht mich, deine Gazelle nur, auch die eigne Schönheit vergißt du – über dem unsichtbaren Mann: schau’ doch nur einmal in die Wellen und sieh, wie reizend dein Haar von den dunkeln Veilchen und weißen Anemonen sich hebt.«

»Dein Kranz ist schön!« sagte Mataswintha, ihn herunterlangend und dann leicht in die Wellen werfend, »welch’ süße Blumen! Grüßt ihn von mir.«

»Ach, meine armen Blumen!« rief die Sklavin, ihnen nachblickend; aber sie wagte nicht, weiter zu schelten. »Sag’ mir nur,« rief sie, sich wieder niederlassend, »wie all’ dies enden soll? Da sind wir jetzt schon viele Tage, wir wissen nicht recht, Königin oder Gefangne? Jedenfalls in fremder Gewalt: haben den Fuß nicht aus deinem Gemach oder diesem hochummauerten Garten gesetzt und wissen nichts von der ganzen Welt. Du aber bist immer still und selig, als müßte das alles so sein.«

»Es muß auch alles so sein.«

»So? und wie wird es enden?«

»Er wird kommen und wird mich befreien.«