»Und die Unverwundeten sind matt, ihre Waffen und ihr Mut zerbrochen,« mahnte der alte Waffenmeister.

»Wir müssen Ravenna haben!«

»Wir werden es nicht mit Sturm nehmen!« sagte Teja.

»Das wollen wir sehen!« meinte Witichis.

»Ich lag vor der Stadt mit dem großen König,« warnte Hildebrand: »er hat sie siebzigmal umsonst bestürmt: wir nahmen sie nur durch Hunger – nach drei Jahren.« –

»Wir müssen stürmen,« sagte Witichis, »gebt den Befehl.« Teja wollte das Zelt verlassen. Hildebrand hielt ihn. »Bleib,« sagte er, »wir dürfen ihm nichts verschweigen. König! die Goten murren: sie würden dir heut’ nicht folgen: der Sturm ist unmöglich.«

»Steht es so?« sagte Witichis bitter. »Der Sturm ist unmöglich? Dann ist nur eins noch möglich: der Weg, den ich gestern schon hätte einschlagen sollen: – dann lebten jene dreitausend Goten noch. Geh, Hildebad, nimm dort Krone und Stab!

Geh ins Lager der Empörer, lege sie dem jungen Arahad zu Füßen: er soll sich mit Mataswintha vermählen; ich und mein Heer, wir grüßen ihn als König.« Und er warf sich erschöpft aufs Lager.

»Du sprichst wieder im Wundfieber,« sagte der Alte. »Das ist unmöglich!« schloß Teja.

»Unmöglich! Alles unmöglich? der Kampf unmöglich? [pg 132]und die Entsagung? Ich sage dir, Alter: es giebt nichts andres nach der Botschaft aus Ravenna.« Er schwieg.