»Und wenn wir sie haben?« sagte Teja, »was dann? Sie nützt uns nichts, wenn wir sie nicht als Königin begrüßen. Willst du das? Hast du nicht genug an Amalaswintha und Godelindis? Nochmals Weiberherrschaft?«
»Gott soll uns davor schützen!« lachte Hildebad.
»So denke ich auch,« sprach der König, »sonst hätt’ ich längst diesen Weg ergriffen.«
»Ei, so laß uns hier liegen und warten bis die Stadt mürbe wird.«
»Geht nicht,« sagte Witichis, »wir können nicht warten. In wenigen Tagen kann Belisar von jenen Hügeln steigen und nacheinander mich, Herzog Guntharis und die Stadt bezwingen: dann ist’s dahin, das Reich und Volk der Goten. Es giebt nur zwei Wege: Sturm –«
»Unmöglich,« sprach Hildebrand.
»Oder nachgeben. Geh, Teja, nimm die Krone. Ich sehe keinen Ausweg.«
Die beiden jungen Männer zauderten.
Da sprach mit einem ernsten, trauervollen Blick der Liebe auf den König der alte Hildebrand: »Ich sehe den Ausweg, den schmerzvollen, den einzigen. Du mußt ihn gehen, mein Witichis, und bricht dir siebenmal das Herz.« Witichis sah ihn fragend an: auch Teja und Hildebad staunten ob der Weichheit des felsharten Alten.
»Geht ihr hinaus,« fuhr dieser fort, »ich muß allein sprechen mit dem König.«