»Laßt es nur noch anschwellen,« sagte er: »wenn’s genug ist, werd’ ich’s dämmen.« »Die einzige Gefahr wäre,« murmelte er halblaut vor sich hin –

»Daß uns die drüben im Rebellenlager zuvorkämen,« sagte Teja.

»Richtig, du alles Erratender. Aber das hat gute Wege. Überläufer erzählen, daß sich die Fürstin standhaft weigert. Sie droht, sich eher zu töten als Arahad die Hand zu reichen.«

»Pah,« meinte Hildebad, »daraufhin würd’ ich’s wagen.«

»Weil du das leidenschaftliche Geschöpf nicht kennst, das Amalungenkind. Sie hat das Blut und die Feuerseele Theoderichs und wird auch uns am Ende böses Spiel machen.«

»Witichis ist ein anderer Freier als jener Knabe von Asta,« flüsterte Teja. »Darauf vertrau ich auch,« meinte Hildebad. »Gönnt ihm noch einige Tage Ruhe,« riet der Alte. »Er muß seinem Schmerz sein Recht anthun: eh’ ist er zu nichts zu bringen. Stört ihn nicht darin: laßt ihn ruhig in seinem Zelt und bei seinem Weibe. Ich werde sie bald genug stören müssen.«

Aber der Greis sollte bald genötigt sein, den König früher und anders als er gemeint aus seinem Schmerz aufzurufen.

Die Volksversammlung zu Regeta hatte gegen diejenigen Goten, die zu den Byzantinern übergingen, ein Gesetz erlassen, das schimpflichen Tod drohte. Solche Fälle kamen zwar im ganzen selten, aber doch in den Gegenden, [pg 146]wo wenige Germanen unter dichter Bevölkerung lebten und häufige Mischheiraten stattgefunden hatten, häufiger vor.

Der alte Waffenmeister trug diesen Neidingen, die sich und ihr Volk entehrten, ganz besonderen Zorn. Er hatte jenes Gesetz beantragt gegen Heereslitz und Fahnenwechsel. Noch war eine Anwendung desselben nicht nötig gewesen und man hatte der Bestimmung fast vergessen.

Plötzlich sollte man ernst genug daran gemahnt werden.