Bei der letzten Zeile sprangen beide, heiß bewegt, auf: die Laute flog in das Moos, und wer weiß, was das Rotkehlchen, welches neugierig aus der Weißdornhecke auf das Paar hervorguckte, würde zu sehen bekommen haben, – hätten nicht gerade in diesem Augenblick die Diener den Zelter des Fräuleins herangeführt.


Zweites Buch.

I.

Der Herr Bischof von Würzburg war nicht recht mit sich zufrieden.

Er sagte sich das, wie er an einem heißen Nachmittag in der Bücherei auf und nieder wanderte. »Schon all diese Zeit her ist mir nicht geheuer, seit ich Berengar entsendet habe; eigentlich doch mehr nur: habe ziehen lassen. Und ich hab' ihm streng eingeschärft, noch nicht abzuschließen mit den wilden Wenden. Ich scheue mich, sie in den Gau hereinzurufen, am Ende gar in die Stadt einlassen zu müssen. Wenn diese Heiden …« Er blieb plötzlich stehen und griff mit der Hand an die heiße Stirne.

»Ah bah,« fuhr er, wieder ausschreitend, fort, »ich habe doch schon oft schlimmes Kriegsvolk in Zucht gehalten, werd' auch mit diesen fertig werden. Der erste, der stiehlt, hängt. – Es ist nicht das! – Aber gegen den Kaiser! Gegen den deutschen König! Gegen diesen Jüngling: – er, seine Mutter, sein Vater haben mich mit Huld, mit Ehren überhäuft. Undank wird er's nennen. Er – und die Welt! Ich trotze dem lauten Wort der ganzen Welt, wenn das stille Wort hier – hier in der Brust mich freispricht. Und es muß mich freisprechen. Ich muß Sankt Burchhards Rechte wahren! – Wäre doch Arn zurück mit der Entscheidung des Papstes. – Ja: die Entscheidung! Wäre ihre Stunde doch da! – Inzwischen verzehrt mich die Ungeduld! – Immer beten! – Kann's nicht! – Und auch nicht immer lesen! – Es ist so eng, so dumpf, so staubig hier unter all den alten Pergamenten! – Ich bin büchermüde. Menschen will ich sehen! Hinaus ins Freie! Aber was draußen thun? Fechten darf ich gar nicht mehr. Jagen soll ich nur zahm und selten. Der Bischof, der Priester soll –! O Weh und Pein! Der Priester! Warum Priester, warum? Ah falsches, treuloses Weib! Was hast du zu verantworten! Was hast du angerichtet in mir, Verräterin!« Und er drückte die geballte Faust vor das Auge.

»Der Priester, – der Bischof – was kann er thun draußen unter den Menschen? Ihnen wohlthun! Ja, und das will ich! ›Seelsorge!‹ Schönes Wort! ›Herzenssorge‹ wäre auch gar schön, aber wer auf Herzen baut –! Ah was! Fort damit.

Geht es dir schlecht, soll's andern desto besser gehen! Hinaus, Heinrich, und hilf, wo du kannst!«