Die Eiche rief zum Wolkensitz:
»Ich trotze dir, du starker Blitz.«
Der aber sprach: »Du ziehst mich an!
Sieh, ob dein Trotz dir helfen kann,
Ich bin ein rascher Freiersmann:« –
Und Schlag und Glut und Wetterschein: –
In Flammen ward die Eiche sein.
Die Uferrose sprach zum Fluß:
»Du flehst umsonst um meinen Kuß:«
Der aber sprach: »Hilft denn kein Flehn,
Sollst du ein andres Werben sehn,
Jetzt, Rose, ist's um dich geschehn.«
Er stieg empor in stolzer Lust
Und riß sie fort an seine Brust.
Das ist der Liebe Prob' und Macht,
Wenn sie in echtem Mann erwacht,
Daß sie des echten Weibes Herz,
Und hüllte sich's in dreifach Erz,
Doch mit sich fortreißt sternenwärts
Und zur Geliebten siegbewußt
Und triumphierend spricht: »du mußt.«
Wenn aus der Erde dunklem Schose
Zur Schönheit aufgeknospt die Rose
Und wenn sie dann in Wonnetagen,
Indes die Nachtigallen schlagen,
Ihr ganzes süßes junges Leben
Dem Kuß der Sonne hingegeben, –
Erfüllt hat auch die schönste Rose
Die schönsten ihr bestimmten Lose.
So sind bestimmt des Menschen Lose:
Nur höchstem Mut wird höchster Preis;
Am Abgrund blüht die Alpenrose
Und dicht beim Tod das Edelweiß!
Er schloß ab und that einen tiefen Trunk.