Da schlug der Vorderhuf des Pferdes, das sonst ganz geräuschlos auf das Waldgras trat, an einen Stein: weit klirrte der helle Ton durch die schweigende Nacht: gleich erscholl lautes, wütendes Hundegebell von der Höhe her und in mächtigen Sätzen rannte ein gewaltiges Tier zornmütig auf die Ruhestörer herab: kaum war es abzuwehren durch den umgewendeten Speerschaft, welchen der einsame Wanderer ihm entgegenstreckte. »Giero! Treuer Herdenwart! kennst du mich nicht mehr?« rief er dabei beschwichtend. Da stutzte die grimme Rüde, schnob und schnupperte gegen den Wind und hüpfte gleich danach friedlich und freundlich an Mann und Pferd hinauf. »Schon gut, du wachbarer Freund! Besser zu viel Vorsicht als zu wenig. Nun komm hinauf zu deinem Herrn.« Bald standen nun, von dem freudig bellenden und meldenden Hunde geführt, Reiter und Roß auf der Höhe, wo in einer runden, wie es schien, schon lang bestehenden Waldlichtung an dem Fuß einer uralten gewaltigen Esche ein schwaches Reisigfeuer mehr Qualm als Licht verbreitete.

Neben der Glut lehnte an dem Stamme, hoch aufgerichtet, ein hagerer Mann in einem Mantel aus Wolfsfellen, eine ungeheuere Schürstange, wie sie die Köhler führen, in der Faust; er hatte nach oben geschaut, in den gerade wieder hervorgleitenden Mond; schweigend, nur mit leichtem Nicken des grauen Hauptes, begrüßte er den Ankömmling, der sein Pferd seitab, geschützt vor dem Zug des Rauchqualms im Südwestwind, an eine junge Buche band.

»Nun Rado, kam ich noch zu rechter Zeit?« – Hastig entflog die Frage. »Du weißt: gleich durft' ich dir nicht folgen: es war noch zu hell; und der Bischof, der mit seiner Streifschar zurückkam, noch ganz nah. Ich fürchte, er erkannte mich, wie damals in Eurem Hof. Gar manchen Ritt im Zickzack macht' ich noch, meine Spur zu verbergen, falls er mir einen seiner Reiter nachgesandt hätte. Und doch – streng schärftest du's ein – mußt' ich die Stunde einhalten.«

Der Alte, den Schürbaum weglehnend, nickte.

»Nur zu ziemender Zeit,
An bestimmter Stätte,
Geschieht mit Gedeihen
Weihevoll Werk!

So der Spruch der Ahnen. Wir haben noch Zeit. Seht Ihr, Junker Hellmuth, dort rechts vom milden Herrn Mond das kleine Sternchen? ›Hollespang‹ heißt er: und ist unserer lieben weißen Frau Holle Busenspange. Er darf nur mehr drei Handbreiten von dem Mondrand abstehen. So müssen wir noch warten. Und fragt jetzt, was Ihr noch zu fragen habt: denn

wann das Werk begonnen,
darf es nicht wirren
Wort und Widerwort.«


V.

»Wie soll ich dir danken, Rado, treuer Rado? Du erfüllst den letzten heißen Wunsch meines Lebens, der mir noch übriggeblieben!«