Die Einrichtung war einfach, ohne Prunk, aber würdevoll; das ansehnlichste Gerät bildete eine Art Baldachin, der an der Ostwand gegenüber den nach Westen blickenden Fenstern, von zierlich geschnitzten Rundpfeilern getragen, eine lange Truhe überhöhte, deren Deckel, mit weichen Decken belegt, als Rücksitz diente; in der Mitte der Bücherei stand ein mächtiger runder Tisch, dessen weiße Ahornplatte mit Schreibgerät und mit vielen Pergamenten bedeckt war, an welchen an Lederriemen und bunten Schnüren große Siegel in hölzernen, bleiernen und silbernen Kapseln herabhingen.
»Mein Amt?« raunte er nun leise. »Ist es nur des Amtes Pflicht, was dich treibt, Heinrich von Rothenburg! Oder ist es die alte Lust am Kampf?« – Er ballte die Rechte wie um Schwertesknauf und spannte die Muskeln des eingebogenen Armes. – »Am Kampfe, – zumal gegen diesen Feind? – – Also Sünde? – Sünde also plante ich, während der Rächer aller Sünde vielleicht schon die Wolken zusammenballt, auf denen er niederfahren wird, zu richten die Lebendigen und die Toten!« –
Er hielt erschauernd inne in seinem hastigen Gang und schlug andächtig ein Kreuz über Stirn und Brust. –
»Sünde?« – begann er aufs neue, wieder ausschreitend. »Jawohl! – Hätte ich nicht dringendere Pflichten, – vielleicht! – aber die meinen immer noch weltlichen Sinn weniger befriedigen, meine Kampfesfreude schwächer – locken? Denn diese Pflicht des Amtes lockt dich, Heinrich! Ist das nicht ein Zeichen, daß sie weniger Pflicht als – – Leidenschaft?«
Er stieß bei einer raschen Wendung an den Rundtisch: eine der Urkunden glitt herab und rollte vor seine Füße. Er hob sie auf und warf einen Blick auf das daranhängende Siegel. »Kaiser Karls Verleihung! Sie selbst! – War das ein Wink, eine Mahnung des Herrn? Wüßt' ich es nur, – zweifelfrei: – ich nähme sie ja so gern auf mich, die Pflicht und den Kampf.« – Er drückte das Pergament heftig an die Brustfalten seines langwallenden dunkel-porphyrfarbigen geistlichen Gewandes.
II.
Da ward die in das Vorgemach – nach Süden – führende Thüre des Saales geräuschlos geöffnet und ebenfalls in geistlichem, aber ganz schwarzem Gewande trat ein wenige Jahre älterer Mann ein. Dicht an der Schwelle, zwischen den dunkelgelben Thürvorhängen, blieb er stehen; demütig neigte er tief das ganz glattgeschorene Haupt und mit leiser Stimme hob er ehrerbietig an: »Hochehrwürdiger Herr Bischof, Ihr habt befohlen.«
Der Angeredete trachtete, seine lebhafte Erregung zu bändigen, zu verbergen; er legte die aufgeraffte Urkunde ganz sacht auf den Tisch: – er suchte, vor denselben tretend, sie dem Blicke des Besuchers zu entziehen. »Laß diese unterthänige Weise, Bruder Berengar«, sprach er gütevoll. »Sind wir doch Kampfgesellen: du bist mein eifrigster Mitstreiter.«