»Auch über diesen,« schalt der Bischof, »gab es immer Zank und Hader!« – »Gerade deshalb hat er …! Aber nein! Ihr würdet mir nicht glauben. Und bevor der Erfolg eintreten kann, stehen wir alle drei vor Gott. Dort – auf Wiedersehen, Herr Heinrich!« – »Heilfriede! Wohin?« – »Nach Haus' – in die Burg – so gebot mein Gemahl – ihn dort zu erwarten.« – »Gut! Gehorcht ihm. Aber noch eine Bitte – die letzte im Leben.« – »Sprecht!« – »Wann nun die letzten Dinge hereinbrechen – wann die Posaunen erdröhnen der Engel des Gerichts – dann, Heilfriede, laß uns die Ankunft des Herrn gemeinsam erwarten. Im Dom, am Hauptaltar, im Schutz aller heiligen Reliquien, versammle ich, lang vor Mitternacht, die Gemeinde um mich – so viel der Gläubigen die Kirche fassen mag. – O Heilfriede, in solch schirmender Umgebung, an solch heiliger Stätte erwarte auch du das Ende. Steige rechtzeitig herab von der Burg und –«
»Mein Gemahl ist bis dahin sicher hier. Gern wird er mit mir Euren frommen Vorschlag annehmen. Versöhnt, befriedet, vereint, Hand in Hand wollen wir dann alle drei das Ende erwarten … – Und nun noch« – ihre Stimme zitterte – »Euren Segen, Herr Bischof!« Und sie beugte demütig vor ihm das bleiche Gesicht.
Er aber winkte ihr abwehrend mit der Hand. »Wer bin ich, daß ich dich segne? Der Sünder die Heilige! Dich hat der Herr gesegnet aus der Maßen. Selig sind, die reinen Herzens sind, denn ihrer … ach, dein, Heilfriede, ist das Himmelreich!«
Und der starke Mann brach laut aufschluchzend zusammen über dem Tisch. »Leb wohl! Auf Wiedersehen am Ende, Hezilo!« hauchte sie. »Heilfriede! Deine Hand! Nur deine Hand –« Er sprang stürmisch auf.
Sie war verschwunden. Wieder lehnte er sich vorgebeugt, seiner selbst kaum mehr bewußt auf den Schreibtisch.
Dabei streifte sein langfaltiger Ärmel eines der Pergamente, es glitt herab von der Tischplatte und fiel gerade auf das offene Becken der glühenden Kohlen.
Hastig raffte er es auf, schon war es leicht angebrannt.
»Kaiser Karls Verleihung!« rief er erschrocken. »Beinahe …! Nun, und wenn sie verbrannte?« lächelte er. »Wie thöricht doch die Gewohnheit macht! Übermorgen verbrennt sie ja doch! Mit allem was sie mir – dem Bistum – schenkte. O du unselig Pergament! Durch deine zierlichen Buchstaben hat mich der Welsche bezaubert, durch dich hat er mich immer wieder angetrieben, wann ich nachgeben wollte. Zwar für Sankt Burchhards Recht … ach nein, nein, es ist ja all nicht wahr!
Heinrich, gesteh' dir's doch endlich – an diesem Tage – selber ein, dir und dem Allwissenden, den du ja doch nicht täuschen kannst, wie du dich selbst so lange, so gern getäuscht hast. Die Lust, Land und Leute zu beherrschen, gegen ihren Gatten – lauter Sünde hat dich dabei getrieben! Unheilsurkunde! Hätt' ich dich doch nie entdeckt! Wärst du doch verbrannt mit allen andern damals vor vielen Jahren! Oder jetzt verbrannt – in diesen Kohlen, – eh' ich dich nochmal sehen mußte!
Dämonisches Geschreibsel!« Zornig zerknitterte er es in der Rechten. »Wieviel Sünde hast du in mir angerichtet! Ich hasse dich, ich verfluche dich – nicht erst übermorgen – gleich sollst du verbrennen! Durch meinen Willen! Durch meine Hand! Und so wie ich dich zerstöre, so thu' ich von mir – zu Ehren jener bleichen Heiligen – allen Haß gegen Gerwalt und jedes – jedes! – sündige Verlangen!«