Und in fiebernder Erregung, seiner Sinne nicht mehr mächtig, riß er das zähe Pergament mit den beiden starken Händen mitten durch und warf die beiden länglichen Streifen in die glühenden Kohlen.
Hoch loderte sofort die helle Flamme auf. Mit seltsamer Lust sah er das noch: dann stürzte er besinnungslos, ohnmächtig auf den Estrich nieder.
So fand ihn Supfo, der den schweren Fall gehört hatte und besorgt herbeieilte.
Fünftes Buch.
I.
Der furchtbare Tag war angebrochen und nahezu abgelaufen ohne irgendwelche Störung der Ruhe in der Stadt.
Das war bei der gewaltigen Aufregung aller Gemüter nur den weisen und kräftigen Anordnungen zu danken, die der Bischof schon lange für diese bangen Stunden vorbereitet und nun ins Werk gesetzt hatte. Unter Supfos treuer Pflege – er hatte dabei des Steinweins nicht gespart! – erholte sich die starke Natur Herrn Heinrichs bald von der Betäubung, in welche ihn der rasche Wechsel so mannigfaltiger Erregungen gestürzt hatte; er begab sich noch am Abend zu rechter Zeit in den Dom und waltete dort seiner heiligen Pflichten.
Nach durchwachter und durchbeteter Nacht schritt er in feierlichem Aufzug, gefolgt von seiner ganzen Priesterschaft und allem Volk, durch die Straßen, zum letztenmal Gott zu danken, seine Gnade und die Fürbitte der Heiligen anzurufen. Zwar ward gemeldet, daß räuberische Bauern auch an diesem Tage selbst noch sich ziemlich nahe der Stadt gezeigt hätten: – aber auch hiergegen hatte Herr Heinrich wachsame Vorkehrung getroffen auf den Warttürmen.